NDR Radiophilharmonie in der Alten Oper

Suchend auf Wagners Spuren

+
Leopold Hager leitete das Hannoveraner Orchester.

Keine Wiederbegegnung mit Paolo Carignani: Frankfurts ehemaliger Generalmusikdirektor sollte in der Alten Oper Werke jenes Komponisten aufführen, den er bekanntlich erst an der Oper Frankfurt besser kennen gelernt hat: Höhepunkte aus Richard Wagners „Lohengrin“, dazu der erste Akt der „Walküre“: Das Comeback blieb aus, an Stelle des erkrankten Carignani dirigierte Leopold Hager die NDR Radiophilharmonie Hannover im jüngsten „Belcanto“-Konzert.

Aber es gab eine andere Wiederbegegnung, und zwar mit der Sopranistin Caroline Whisnant, in Frankfurts Oper als Verdis Lady Macbeth ebenso wie in der Titelpartie der „Elektra“ von Richard Strauss gefeiert. Umso mehr irritierte ihre unstete, flackernde Stimmführung in Elsas Traumerzählung „Einsam in trüben Tagen“: Da war gewiss viel Bemühen um lyrische Empfindungskraft im Spiel, aber eben auch ein unkontrolliertes, sichtbar unruhiges Ausformen der Töne. Zuvor war Bass Christoph Stephinger im Gebet des König Heinrich, ebenfalls aus „Lohengrin“, mit eher freizügiger Intonation aufgefallen. Soweit also noch keine Sternstunde des Wagner-Gesangs, wenngleich die NDR Radiophilharmonie mit den „Lohengrin“-Vorspielen zum ersten und zum dritten Akt die funkelnden Streicherklänge ebenso solide ausformte wie die blitzsauberen Blechbläser-Passagen.

In höheren Sphären des Wagner-Gesangs bewegte sich allein Tenor Nikolai Schukoff. Da mochten in Lohengrins „Gralserzählung“ noch nicht alle Farben seines angenehm weichen, sonoren Timbres bestmöglich ausgeleuchtet sein: Das Legato, die organische Stimmführung, seine berückende Natürlichkeit überstrahlten das zuvor Gehörte. Umso mehr galt das für die konzertante Aufführung des ersten „Walküren“-Akts aus dem „Ring des Nibelungen“: Caroline Whisnant als Sieglinde konnte immerhin in den textlich dichteren Passagen sauber deklamieren, während Christoph Stephinger dem Hunding nur noch mehr Blässe verlieh. Nikolai Schukoffs Siegmund hingegen war eine Entdeckung, fein intonierend, dabei sauber artikulierend und unerhört textgenau reflektiert. Wer keinen heldentenoralen Kraftprotz erwartet hatte, durfte sich dafür begeistern, auch wenn Schukoff, wie in den „Wälse“-Rufen, durchaus tapfer strahlen konnte. AXEL ZIBULSKI

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare