Wenn der Rocker mal raus darf

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Tätowierte Arme und Muskel-Shirt: Frontmann Samu Haber macht beim Konzert der vier Finnen auf schwerer Junge.

Neu-Isenburg - Die Jungs von Sunrise Avenue erwecken manchmal den Eindruck, als könnten sie sich nicht so recht zwischen glattem Pop und kantigem Hardrock entscheiden - bei ihrem Konzert in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle haben die Finnen den Rocker ordentlich rausgelassen. Von Katrin Diel

Die Jungs von Sunrise Avenue erwecken manchmal den Eindruck, als könnten sie sich nicht recht zwischen glattem Pop und kantigem Hardrock entscheiden. Während das Debüt „On the Way to Wonderland“ (2006) eine ausgewogene Mischung zwischen rockigeren Stücken und sanfteren Balladen darstellte, zeigt beim zweiten Album (2009) schon der Titel „Popgasm“, in welche Richtung es geht. Und dabei driften leider einige Lieder in langweiligen Mainstream ab. Das gilt zum Glück nur für die Studioaufnahmen – beim Konzert in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle hörte sich das ganz anders an.

Die Finnen samt Vorgruppe „The Black Sheep“ in Bildern:

Sunrise Avenue in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle

Die anfängliche Befürchtung, dass an diesem Abend nur die Mädels von der Vorgruppe „The Black Sheep“ für die härteren Klänge zuständig sein würden, hat sich nicht bestätigt. Der wilde Rocker, den die vier Finnen im Studio offenbar unterdrücken mussten, auf der Bühne darf er raus und spielen. Riku Rajamaa haut in die Saiten, als wollte er die glatten Melodien des Albums mit Gitarren-Riffs ausmerzen.

Zur Freude des Publikums. Das ist in der Hugenottenhalle bunt gemischt, die Teenies sind eindeutig in der Minderzahl. Von dem Boygroup-Charme, den Sunrise Avenue auf ihrem ersten Album-Cover versprühen, ist sowieso nichts mehr zu merken. Frontmann Samu Haber kommt mit Muskel-Shirt und tätowierten Unterarmen weniger milchbubihaft rüber als auf Bildern. Und Bassist Raul Ruutu sieht schon immer ein bisschen aus wie ein kleiner Bruder von Metallica.

Nie war Pop rockiger als an diesem Abend. Selbst Balladen wie „Forever Yours“ oder „Sail Away With Me“ werden von kreischenden Gitarrenklängen untermalt. Diese Jungs sind „Bad“, wie einer ihrer neuen Liedtitel. Und sie sind richtig gute, vielseitige Musiker. Beim Stück „Destiny“ bauen sie mit Zeilen aus „No Woman, No Cry“ einen Ausflug in den Reggae ein. Und Gast-Keyboarder Osmo Ikonen kann nicht nur singen, sondern auch beatboxen. Nicht zuletzt bekommt auch der Schlagzeuger Sami Osala sein Solo.

Die Jungs geben sich lässig und entspannt

Anderthalb Stunden lang spielen Sunrise Avenue, haben richtig Spaß. Sie geben sich lässig und entspannt, unterhalten ihre Zuhörer. Und lassen fast keine Wünsche offen. Natürlich spielen sie ihren größten Hit „Fairytale Gone Bad“. Dass das Publikum auf die Single „Choose To Be Me“ vergeblich wartet, trübt die Stimmung nicht. Der Kontrast zwischen CD-Aufnahme und Live-Erlebnis wird zum Schluss noch einmal besonders deutlich: Als die Finnen sich verabschieden, läuft das Lied „6:0“ vom Band. Für das Album mag „Popgasm“ ein treffender Titel sein – die Tour jedoch sollte besser „Rockgasm“ heißen.

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