Symphonie mit Elektropop

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Silbermond knüpft dort an, wo die Band mit „Laut gedacht“ aufgehört hat. Und die Fans haben sich noch nicht satt gehört.

Etwas ruhiger lässt es Silbermond auf ihrem dritten Album angehen. Für „Nichts passiert“ haben sich die Vier aus Bautzen namhafte Verstärkung geholt: Jan Delay und Xavier Naidoo. Nicht unbedingt immer zum Besten für das Album. Von Jenny Westphal

Sie klingen vertraut, und doch ein wenig anders. Etwas ruhiger, weniger stürmisch - Stefanie Kloß, Andreas Nowak, Johannes und Thomas Stolle. Und wenn man anfängt zu denken, Silbermond hat das Rocken vielleicht verlernt, tanzt die Band aus der Reihe. „Nichts passiert“ heißt das neue Album, das in der Deluxe Edition zusammen mit einem Live-Mitschnitt des Vorgängers „Laut gedacht“ erhältlich ist und das verkündet, dass die Zeit der deutschen Pop/Rock-Formationen noch lange nicht vorüber ist. Silbermond klingt etwas nachdenklicher und am überzeugendsten, wenn Stefanie Kloß von einer verlorenen Liebe singt. „Die Liebe lässt mich nicht“ ist eine unter die Haut gehende Hymne für jene, die wissen, dass die Zeit nicht alle Wunden heilt. Vor allem aber klingt Silbermond noch kraftvoll und hungrig.

Namhafte Verstärkung hat sich die Band aus Bautzen für ihr drittes Album geholt: Jan Delay und Xavier Naidoo mischten mit. Das meiste stammt aber von ihnen selbst.

Obwohl die Musiker aus Bautzen ihrem neuen Werk einen Schuss Elektropop untergemischt haben, hört man doch die „Symphonie“ heraus. Ohne Wiedererkennungseffekt kommt man nicht aus, soll sich das neue Album ähnlich gut wie das vorangegangene verkaufen. Ein wenig ins Esoterische driften die Bautzener mit „Krieger des Lichts“ ab. Sie rufen auf, doch wohin man ihnen folgen soll, bleibt im Dunkeln. Für ihre gesellschaftskritische Nummer hat sich Silbermond Jan Delay an die Seite geholt. Mit „Nicht mein Problem“ entfernen sie sich am weitesten von ihrem vertrauten Sound. Auch die Bläser können das Stück nicht retten, wenngleich die Band gänzlich anders klingt, hat man das Gefühl, derlei Töne bereits tausendmal gehört zu haben. Glücklicherweise lässt das zornige „Keine Angst“ das Experiment sogleich vergessen. Silbermond ist am authentischsten, wenn Stefanie Kloß von Liebe und Verlust singt, von erkalteten Gefühlen und Gefühlen, die nicht erkalten wollen. Die Gefilde der Band ist mit Pop angereicherter Rock, der von Sehnsucht spricht, dann hört man ihr gern zu.

Zu guter Letzt trifft man auf einen alten Bekannten aus Mannheim: Xavier Naidoo schrieb und sang an „Sehn wir uns wieder mit“. Wessen Ohren sich bereits seit geraumer Zeit gegen die gottesfürchtige Stimme sperren, der wird am Schlusspunkt des Album wenig Freude haben. Ansonsten lässt sich nur sagen, dass Kloß und Naidoo ein stimmungsvolles Duett hingelegt haben, in dessen Takt so manche Teenagerherzen schwelgen werden.

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