Symphonisch Verrocktes

Frankfurt - Eine Überalterung der Bevölkerung errechneten Zukunftsforscher schon vor geraumer Zeit. Und einen Vorgeschmack, wie es sein wird, wenn mehr oder minder drahtige Rentner den Ruhestand scheuen und noch agil mitmischen, gibt das Riesenspektakel „Night Of The Proms“. Von Ferdinand Rathke

Auch der noch nicht ganz so etablierte Ableger „Rock Meets Classic“ bedient sich dieses Konzepts. Zur Premiere in der ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle hievt sich die bereits vierte solche Veranstaltung mit erstaunlich hochwertiger Besetzung aus zweitrangiger Position in die erste Kategorie. Vor allem die Teilnahme von Hard-Rock-Pionier Ian Gillan, der erst vor wenigen Wochen als Mitglied der Langzeitüberlebenden Deep Purple eine umfangreiche Europa-Tournee absolviert hat, wertet das von der Mat Sinner Band, einem Chor und dem Bohemian Symphony Orchestra Prag unter Leitung von Dirigent Philipp Maier begleitete Sangesquartett ungemein auf.

Gillan darf denn auch das finale letzte Viertel mit Hochkarätigem wie „Strange Kind Of Woman“, „Black Night“, „Perfect Strangers“ und „Highway Star“ bestreiten. Souverän singt sich der 65 Jahre alte Brite durch die eigene Vergangenheit, genießt sichtlich die konzertanten Arrangements und tut zwischendurch immer wieder so, als würde er die Bühne kehren. England gilt ja als Hochburg süffisanten Understatements.

Würziger Rock trifft auf Platinballade

Selbstironisch präsentiert sich der Schotte Dan McCafferty, der das ebenfalls etwas betagte Publikum in nahezu akzentfreiem Deutsch begrüßt. „Dream On“ verlautbart der Grauhaarige im übergroßen Cowboyhemd mit intakten Stimmbändern, um ebenso ehrenwerte Publikumsfavoriten wie „Love Hurts“ und „This Flight Tonight“ folgen zu lassen.

Noch mehr Stimmung zaubert der kaum wiederzuerkennende Amerikaner Lou Gramm, der einst, bevor er sich mit dem Teamkollegen Mick Jones verkrachte, das transatlantische Hard-Rock-Bündnis Foreigner mit glockenheller Stimme anführte. Deftig würzig rockt sich der Rotblonde mit Übergewicht tadellos durch die Granaten „Urgent“, „Cold As Ice“, „Hot Blooded“ sowie „Juke Box Hero“ und vergisst nicht, die weltweite Platinballade „I Want To Know What Love Is“ zu verabreichen.

Zum Schluss gibt es „Smoke On The Water“

Um einiges ruhiger lässt es Les Holroyd angehen, der sich mit John Lees, dem letzten Überlebenden der Urbesetzung von Barclay James Harvest, ähnlich schmutzige Scharmützel liefert wie Roger Hodgson mit Supertramp oder Roger Waters mit Pink Floyd. Einst fies als „Poor Man’s Moody Blues“ abgekanzelt, balladiert er sich durch Episches von „Mockingbird“ bis „Hymn“.

Ein wenig vorhersehbar ist das unvermeidliche Finale mit allen Mitwirkenden. Gillan nimmt sich allerdings das Vorrecht, sämtliche Strophen von „Smoke On The Water“ allein zu singen – lediglich den Refrain überlässt er lieben Kollegen und dem restlos begeisterten Publikum.

Rubriklistenbild: © Oliver Haja / Pixelio.de

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