Synthiepop und Chanson

Frankfurt - Die Identität Marc Almonds ist gespalten. Das Duo Soft Cell, mit Keyboarder Dave Ball gegründet, zählte zu den Protagonisten des Synthiepops. Nach dem Punk entwickelten Bands wie Spandau Ballet eine Ästhetik aus melodiösen Songs und glatten Oberflächen. Soft Cell markierten mit glamourösen Inszenierungen eine Manifestation von Leidenschaft und Gefühl. Das blieb eine Konstante für Almond. Von Stefan Michalzik

Die nach der Trennung von Soft Cell 1984 und einem Intermezzo mit der Band Mamba erschienenen Soloalben, aus denen sich das Gros des Repertoires in der Frankfurter Batschkapp speiste, schlossen mit „The Stars We Are“ von 1988 an Synthiepop an, erweitert um eine orchestrale Dimension.

Zunehmend frönte Almond der Leidenschaft fürs Chanson. Das Album „Jacques“ von 1989 widmete er Liedern von Jacques Brel. Da dürfte einer der Ursprünge für Almonds Hang zur großen Geste liegen. Viele der oft rhythmisch galoppierenden Hervorbringungen, die er mit der bei aller Routiniertheit recht animierten Band spielt, lassen den Quell des Chansons erkennen, ohne Scheu vor Pathos. Die Substanz der Stimme bleibt hinter der Ambition zurück. Doch dünne Stimmen sind im Pop kein Ausschlusskriterium.

„Wenn ich dieses schreckliche ,blink blink‘ noch einmal höre, schneide ich mir die Kehle durch“, sagte Almond über „Tainted Love“, den Hit, durch den Soft Cell 1981 zu Weltruhm gelangte. Inzwischen hat er seinen Frieden damit gemacht. In Konzerten bringt er die alten Nummern bereitwillig, als Steigerung zum Zugabenteil hin.

Im Popzirkus spielt Almond doppelt so lange keine Rolle mehr, wie die Zeit seiner Erfolge währte. Doch er hat treue Fans. Immer wieder im Lauf des Abends stimmen sie in seine Lieder ein. Wer solche Freunde hat, muss nicht mit Neuigkeiten aufwarten!

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