Tänzerisches auf Leben und Tod

Frankfurt - Erst kürzlich von Kritikern zum dritten Mal als Orchester des Jahres ausgezeichnet, zeigte sich das Frankfurter Opern- und Museumsorchester in Szenen aus dem „Romeo und Julia“-Ballett von Prokofjew in Bestform. Von Klaus Ackermann

Für ein hochspannendes Museumskonzert hatte Generalmusikdirektor Sebastian Weigle vorgesorgt, der zudem im Klavierkonzert f-Moll dem exzellenten russischen Chopin-Spieler Alexei Volodin das Terrain bereitete.

Dass Weigles Qualitäts-Management starken Anteil am dauerhaften Hoch hat, offenbart schon der Auftakt. George Benjamins „Dance Figures“, knappe choreografische Szenen des maßvoll modernen Briten, dessen Komponistenporträt in der Alten Oper gezeichnet wird, garantieren Vollbeschäftigung bei extremen dynamischen Kontrasten und filigraner Klanglichkeit. Das feine Streichergespinst wird von Bläsern noch verdichtet, die motivbildende große Septime lässt Hörner blöken. Und neben impressionistisch zerfasertem und instrumental überlappendem Orchesterklang meldet sich die vom Xylophon angeführte Rhythmus-Phalanx entschieden zu Ton, was in einer Akkordsirene kulminiert.

In dieser Umgebung ist das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 die reinste Erholung, vom russischen Tastensouverän bei aller Klavierromantik im klassisch-strengen Zugriff. Da wirkt das poesievolle Larghetto wie ein Lied an die ferne Geliebte, aber auch die grüblerischen Momente hart hinterfragend, das Virtuos-Tänzerische elegant auf dem Punkt. Klavieristische Farbspiele, bei denen der trotz aller technischen Tücke kaum gefordert scheinende Pianist in fein perlenden Figurationen noch einmal Zwischengas geben kann. Was auch die Zugabe, Chopins Valse cis-Moll op. 64 Nr. 2, stilvoll belebt.

Von gröberem Korn sind die „Romeo und Julia“-Szenen, die der russische Dirigent Rudolf Barschai aus dem Prokofjew-Ballett zusammengestellt hat. Zwischen friedvoll melodiöser Idylle, kämpferischer Auseinandersetzung und beseeltem Abschied von der Welt entwickelt sich ein bestürzend nahe rückender Klangfilm, den Weigle am Regiepult reguliert. Mit einem Orchester wie an einem Strang, das noch in Solopassagen glühenden Ehrgeiz entwickelt.

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