Tango als gepflegte Unterhaltung

Vor drei Jahren sind an gleicher Stelle, in der Konzertmuschel des Frankfurter Palmengartens, Tango Crash aufgetreten.  Von Stefan Michalzik

Die Band um die Argentinier Daniel Almada und Martin Iannaccone verwendet im Ansinnen, die Nationalmusik ihrer Heimat in die musikalische Gegenwart zu ziehen, Beimengungen von Samples und Rhythmen aus Drum’n’Bass sowie Hip Hop. Mit einem dürftigen Ergebnis: Weder vom Standpunkt der Popmusik noch von jenem des Tangos gibt dieser wohlgefällige Verschnitt viel her.

Juan Carlos Cáceres, der mit seinem programmatisch Tango Negro Trio genannten Ensemble in der Weltmusikreihe des Summer-in-the-City-Festivals auftrat, ist im Jahr 1968 nach Paris gegangen, wo er seitdem lebt. Die Biografie, die er verbreiten lässt, weist den 1936 Geborenen – alles andere als frei von Mythisierung – als „eine der zentralen Figuren der Existenzialistenszene von Buenos Aires“ aus. Der „Tsunami aus Magma und Champagner“ (!) spielte Posaune in Jazzbands. Zum Singen kam er erst spät, mit mehr als 50 Jahren, was ihm, in Einheit mit einer raukehligen Stimme, den vielfachen Vergleich mit Paolo Conte eingetragen hat.

Er versteht sich als Musikarchäologe. Manche seiner Lieder handeln nicht von Gefühl, sondern von der Geschichte des Tangos und seiner Renaissance. Cáceres, auch Maler und Dozent für Kunstgeschichte, proklamiert eine Modernisierung des Tangos auf der Grundlage einer Rückbesinnung auf die afrikanischen Wurzeln, auf Urformen wie die hispanokubanische Habanera, die argentinische Milonga und die Karnevalsmusik Murga.

Letztlich handelt es sich um Tangochansons im Latinbobstil. Stimme, Klavier, elektrifizierter Bass, Schlagzeug, mal mit und mal ohne das Tango-Priminstrument Bandoneon. Das Klangbild kommt häufig dem Fusionjazz nahe. Über ein gepflegtes Entertainment ragte Juan Carlos Cáceres im Frankfurter Konzert nicht hinaus. Ein großer Pianist ist er nicht. Die zirzensische Karte reizt er zu sehr aus. In der Freiluftsituation ging viel von der Intimität seines jüngsten Albums „La Vuelta del Malon“ verloren. Mitunter tut der Musik der geschlossene Saal gut.

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