Tanz, Gebet und Gesang für Frieden

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In der einstigen Synagoge bittet Giora Feidman das Publikum, den Grundton anzustimmen, um ein instrumentales Gebet darüber zu legen, wie es ergreifender kaum sein könnte.

Offenbach - Schöner kann es niemand sagen: „Ich bin ein Jude and I feel in Deutschland home“, bekennt Giora Feidman anlässlich seines Konzerts im Offenbacher Capitol. Der Klarinettist, dessen Sprachmischmasch so gut verständlich ist wie sein musikalisches Idiom, ist über die Vergangenheit des Ortes bestens im Bilde. Von Markus Terharn

In der einstigen Synagoge bittet er das Publikum, den Grundton anzustimmen, um ein instrumentales Gebet darüber zu legen, wie es ergreifender kaum sein könnte. Bescheidener als der sympathische 74-Jährige kann ein Weltstar den ersten Auftritt nicht gestalten. Die Einleitung mit Gershwins hauchzart hingetupftem „Lullaby“ hat Feidman dem ganz vorzüglichen Gershwin-Quartett anvertraut. Dann geht er langsam durch den Saal nach vorn, eine traditionelle, innige Sabbath-Melodie blasend. Um danach mit den Saitenkünstlern zum fulminanten Ensemble zu verschmelzen, dem die Fröhlichkeit ostjüdischen Klezmer-Klanges ebenso liegt wie dessen Wehmut, das die folkloristischen Elemente in Enescus „Rumänischer Rhapsodie“ virtuos meistert.

Da weder Altes noch Neues Testament noch der Koran es verbieten, gibt’s die erste Zugabe schon vor der Pause, ein völkerverbindendes Ineinanderfließen von deutscher, israelischer und palästinensischer Hymne unter Mitsingen des Friedensgrußes „Shalom chaverim“ durch das Auditorium. Anschließend erhalten erste und zweite Geige, Michel Gershwin und Natalia Raithel, Gelegenheit zu einem flott beschwingten Duett, ehe Bratschist Juri Gilbo und Cellist Kira Kraftzoff den Vierer alter russischer Schule wieder vervollständigen.

Unglaublich, wie Feidman seine zu scharfem Näseln befähigte Klarinette zurücknehmen kann: Nie überdeckt er die Streicher, was ein Leichtes wäre. Das berühmteste aller Glissandi behält er sich aber vor, leitet ein Gershwin-Medley ein mit „Rhapsody in Blue“ und beendet es mit „Summertime“. Alle Register ziehen die Fünf im mitreißenden „Jewish Wedding“, tänzerische Rhythmen lustvoll wie unter fortschreitendem Alkoholeinfluss zelebrierend.

Es gibt zwei weitere Zugaben, ein Stück von Piazzolla, wie Feidman in Argentinien geboren – und das bekannte jüdische Lied „Donna Donna“ zum Mitsingen. Dieser Abend ist keine einseitige Angelegenheit, sondern ein großartiges Gemeinschaftserlebnis!

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