„Rocky Horror Show“ kommt in Alte Oper

Tanzender Transvestit

Rob Fowler singt und tanzt, Sky du Mont erzählt.

Frankfurt - Was macht es mit einem Mann, wenn er Corsage, Netzstrümpfe und High Heels trägt? Rob Fowler hat dafür eine gesellschaftlich akzeptierte Ausrede: Der Brite ist ein gefeierter Musicaldarsteller, derzeit mit der „Rocky Horror Show“ auf Deutschlandtour, die ihn als Frank’n’Furter im August in die Alte Oper Frankfurt führt. Von Markus Terharn

Die Wirkung auf Geschlechtsgenossen hat ihn dennoch überrascht. „Manche sagen zu mir: Ich bin nicht schwul – aber ich würde gern. . . “. .

Für den Star, der sehr gut Deutsch spricht, hat die feminin-erotische Kostümierung einen Vorteil: „Ich kann tagsüber durch die Stadt laufen, und niemand erkennt mich.“ Allenfalls die lackierten Fingernägel sind ein Hingucker. Erst in der Maske verwandelt Fowler sich in den „Sweet Transvestite“ aus Richard O’Briens Kultstück. „Ich kriege mein Make-up und finde mich sooo schön“, grinst der Engländer. „Und nachher werde ich abgeschminkt und sehe sooo müde aus!“

Das Schreiten auf Stilettos hat er lernen müssen, in Damenschuhen mit steigender Absatzhöhe. „Ich konnte es kaum erwarten, bis ich sie bekam“, erinnert sich Fowler, der die Figur bereits vor zwei Jahren in der jetzt überarbeiteten Inszenierung verkörperte. Wer ihn auf der Bühne erlebt, wo er nicht nur geht, sondern auch tanzt, könnte meinen, er tue das immer.

Wie erzählt man diese bunt-bizarre Geschichte, die 1973 in London ans Rampenlicht, 1975 ins Kino kam und weltweit Millionen Anhänger zählt? „Wir liefern, was das Publikum will“, betont Regisseur Sam Buntrock. „Das ist ja Populärkultur.“ So gebe es Fans, die diese Show fast lebten. „Ihnen zu gefallen ist das Wichtigste.“

Einerseits. Andrerseits gilt es elfmal einen Saal mit mehr als 2000 Plätzen zu füllen. Da kann das Kreativteam nicht nur auf Expertise setzen; es muss die Handlung auch jenen erklären, die des Englischen unzureichend mächtig sind. Für sie gibt es den Erzähler in der so attraktiven wie prominenten Gestalt des Schauspielers Sky du Mont – nicht in jeder Vorstellung. Er verbindet die Nummern der schrillen Revue, die das unbedarfte junge Paar Brad und Janet in einem schrägen Schloss voller Außerirdischer stranden und dort ungeahnte sexuelle Abenteuer erleben lässt. Dass ihn das kundige Publikum mit Zwischenrufen („boring“, langweilig) unterbricht, stört den 64-jährigen Routinier nicht: „Ihr habt bezahlt. Ich werde bezahlt.“

Für alle Zuschauer hat die Regie fünf irritierende Minuten eingebaut. Als Vorspann laufen Ausschnitte aus jenen schwarz-weißen Billigfilmen, deren skurrile Bilderwelt das Musical parodiert. Damals, mit wenigen TV-Programmen und ohne Internet, musste man ins Lichtspielhaus, um so etwas zu sehen, wie Buntrock ins Gedächtnis ruft.

Und dann, mit dem Song „Science Fiction Double Feature“, setzt sie ein, die Reihe dieser Hits, die wohl fast jeder kennt: „There’s A Light“, „Touch-A-Touch-A-Touch-A-Touch Me“, „Don’t Dream It, Be It“ und der berühmte „Time Warp“. Da springen die Eingeweihten, vielleicht stilecht Verkleideten von ihren Sitzen auf, hüpfen vorschriftsmäßig und bewegen ihre Hände. Sie wissen auch, wann sie Wasser verspritzen, Zeitungen entfalten, Leuchtstäbe schwenken und Konfetti (keinen Reis!) sowie Toilettenpapier schmeißen müssen. Die anderen kriegen das schon mit. Interaktion ist Trumpf. Und wer sich nichts mitgebracht hat: Einen Beutel mit allem Erforderlichen gibt’s zu kaufen.

‹ „Rocky Horror Show“, 23. bis 31. August, Alte Oper Frankfurt. Karten: s  01805 2001, www.bb-promotion.com und an den üblichen Vorverkaufsstellen

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