Tanzparty im roten Salon

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Da geht‘s lang: Nach der Welttournee will Mick Hucknall von Simply Red nur noch solo weitermachen.

Frankfurt - Selbst schuld, wer sich einen teuren Sitzplatz ganz vorne gekauft hatte. Spätestens bei „Come To My Aid“ gibt‘s für die Fans kein Halten mehr. Dabei war die Stehparty vorhersehbar: Wenn Simply Red auf der „Greatest Hits“-Tour die besten Songs aus 25 Jahren Bandgeschichte spielt, wippen auch Tanzmuffel mit. Von Ralf Enders

Die eingefleischten Fans sind ohnehin in Partylaune. Sie werden von Mick Hucknall nicht enttäuscht. Der 48-jährige Bandgründer macht am Mittwochabend die restlos ausverkaufte Frankfurter Festhalle zum roten Salon und hat diesen fest im Griff. Denn obgleich neben dem Frontmann acht vorzügliche Musiker auf der Bühne stehen mache man sich nichts vor: Mick Hucknall ist Simply Red - Simply Red ist Mick Hucknall. Und das heißt seit einem Vierteljahrhundert die nahezu perfekte Verschmelzung von Soul und Pop; bisweilen etwas glatt, aber immer eingängig und melodiös.

Zehn Studioalben, 50 Millionen verkaufte Platten und mehr als 100 Titel in den Top 20 - da hat man wahrlich genug Futter für einen Greatest-Hits-Abend. Und Hucknall lässt‘s denn auch ordentlich krachen: „A New Flame“, „Holding Back The Years“, „Money‘s Too Thight (To Mention)“, „Fairground“, „Do The Right Thing“ und natürlich „Stars“. Mit seiner begnadeten und höchst variablen Soulstimme brennt Hucknall ein Feuerwerk ab. Optisch unspektakulär in Anzug mit Weste und ohne aufwändigen Bühnen-Schnickschnack, aber mit ganz viel Gefühl und Professionalität.

Fast 100-mal hat Mick Hucknall die Lieder auf der aktuellen Welttournee bereits gesungen, doch das merkt niemand. Sichtlich gut aufgelegt erzählt er vor fast jedem Song, aus welchem Jahr und von welchem Album er stammt. Nötig ist das nicht, denn die Fans kennen ihren Mick und seine Lieder. Dass sie von Anfang an jede Zeile begeistert mitsingen, scheint dem Meister zu gefallen; immer wieder hält er den Mund und das Mikrofon ins Publikum.

Rot - die Farbe von Hucknalls Haaren sowie des Fußballclubs Manchester United und der britischen Labour-Partei haben Simply Red einst den Namen gegeben. Nach der Welttournee soll Schluss sein mit der Band, hat Hucknall zum Entsetzen seiner Fans angekündigt. Das Soloalbum „Tribute To Bobby“ von 2008 gibt schon die neue Richtung vor: Gut, aber nicht für den Massengeschmack.

Rot müssen die Red-Fans deshalb nicht gleich sehen: Mit Labour und ManU geht‘s ja schließlich auch immer weiter.

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