Lauterborner Klavierfrühling erblüht

Tastenkunst und großer Gesang

Diese Blumen der Künstler hatte sich Werner Fürst verdient, der in der Offenbacher Lauterborngemeinde zum 20. „Klavierfrühling“ ein hochkarätiges Programm auf die Beine stellte – ein dreitägiges Lied- und Tastenfestival ohne Vergleich in der Region.

Es begann mit Schumanns Liederzyklus „Frauenliebe und -leben“ nach Chamisso. Altistin Tanja Herrmann und Klavierbegleiter Klemens Althapp gestalteten ein Monodrama, welches das Spektrum von Liebesrausch über Hochzeit und Mutterglück bis zu frühem Witwentum ausmalte. Hermanns warmer Mezzo hielt edles Maß, von Althapp in getragenem Legato, forderndem Staccato und eleganten Läufen unterstützt. Im tragischen „Die Welt ist leer“ hauchte Hermanns ausdrucksvoller Vortrag pianissimo aus, das Klavier hatte das letzte Totentanz-Wort.

Den Jubilar Frédéric Chopin, wie Schumann vor 200 Jahren geboren, feierte Benjamin Proescholdt in der Klaviersonate b-Moll. Kraftvoll wuchs das Trauermarschmotiv zur Pathétique, in der leidenschaftliche Erregung Form fand. Stürmisch jagte Proescholdt durch das Hauptthema, kontrastiert von schönen Gesängen im Seitenthema, baute kühn Moduliertes zu tragischer Größe auf.

Der Beifall steigerte sich bei dem ukrainischen Tastenlöwen Ruslan Bezbrozh zu rhythmischem Klatschen. In Mozarts Sonate C-Dur KV 330 präsentierte er sich verspielt, tupfte die Einfälle aneinander. Zwei Impromptus Schuberts gerieten zu Paradestücken. In seinem Element war Bezbrozh in Liszts Etüde zu Paganinis „La Campanella“ und der Valse-Caprice nach Schubert. Mit artistischen Griffen, Vibrato-Oktaven und kapriziösen Läufen feuerte er stampfende Csárdás-Rhythmen von Listzs Ungarischer Rhapsodie Nr. 6 ab.

Schlichter, aber edel geriet Bettina Webers harmonische Violin-Darbietung von Schuberts Sonatine D-Dur mit Fürst am Flügel. Eine Glanzleistung bot das Duo im elegischen Zyklus von Brahms’ „Regenliedsonate“. Über eine Vielfalt melodischer Verknüpfungen erhob sich Webers filigrane Geigenstimme zu großem Gesang. Nicht nur im Rondo genügte Fürsts kraftvoller wie hochsensibler Klaviersatz hohen Ansprüchen.

Christina Schmid (Sopran) und Friederike Wiesner (Piano) begannen ihren Husarenritt durch die Klavierliedliteratur mit Clara Schumanns jagender „Lorelei“, differenzierter Harmonik von „Liebst du um Schönheit“ und wohllautendem „Ich stand in dunklen Träumen“. Mit ihrer energiereichen Stimme und seinen wallenden Arpeggien ging es zu Mendelssohns Vertonung von Goethes „Suleika“, zu Schuberts „Gretchen am Spinnrade“ und Robert Schumanns Liedern zu „Wilhelm Meister“. Traumhaft schön und nie kitschig folgten drei Klavierlieder von Brahms. Der Frühling wurde förmlich herbeigezaubert! REINHOLD GRIES

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