Frank Peter Zimmermann in Alter Oper

Teufelsgeiger auf der Überholspur

Frankfurt - Als Teufelsgeiger galt der legendäre Paganini aufgrund seiner dämonischen Saiten-Kunst. In diese Virtuosen-Kategorie gehören heute weltweit schon einige Violinisten. Von Klaus Ackermann

Vor allem aber Frank Peter Zimmermann, der beim Museumskonzert in der Alten Oper einen schweren Brocken mit Leichtigkeit hob. Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 1, vom Duisburger perfekt durchwirkt, riss förmlich mit, gerahmt von Beethovens Coriolan-Ouvertüre sowie dessen vierter Sinfonie, mit der Sebastian Weigle und das Frankfurter Opern- und Museumsorchester auch am Ende der Saison erstaunliche gestalterische Frische bezeugten.

Sein Violinkonzert a-Moll hat Dmitrij Schostakowitsch 1948 geschrieben, in einer Zeit als Stalins Hetzkampagnen die moderne russische Musik diskreditierten und der Komponist um sein Leben fürchten musste. Daher hielt er es bis 1955, bis zur politischen „Tauwetter-Periode“ unter Verschluss. Entsprechend lichtet sich das Dunkel in dieser „Sinfonie mit Vorspieler“ nicht, allenfalls vom bohrenden Spiel der Solovioline in sarkastische Gedankenwelten überführt.

Zimmermann sticht hier mit wahrer Perfektionswut ins klangliche Gefüge, einen Tanz auf dem Vulkan vollziehend, der von den exzellenten Bläsern des Museumsorchesters immer wieder auch rhythmisch markant akzentuiert wird. Dem gegenüber hält ein Trauermarsch gefangen, mit dem Solisten als Richtungsweiser.

In suggerierter Mehrstimmigkeit

Dessen Kadenz, von dunklen Kesselpauken-Schlägen eingeleitet, schafft in suggerierter Mehrstimmigkeit die Verbindung zu einem burlesken Todesreigen, der bis zum abrupten, harten Abriss virtuose Brisanz in Brillanz ummünzt – bei Hochspannung zwischen Angst und ohnmächtiger Wut. Die entlädt sich in bravourösem Jubel für den figürlich so meisterlich wie druckvoll gestaltenden Zimmermann, der seine Stradivari an klangliche Grenzen peitscht.

Hohe emotionale Temperaturen schon zum Auftakt mit Beethovens Ouvertüre zum Trauerspiel um den römischen Feldherrn Coriolan, dessen innere Konflikte Weigle und das Orchester mit Sinn für theatralische Effekt nach außen kehren.

Absolut entspannend dagegen Beethovens vierte Sinfonie B-Dur, ein Blick zurück ohne Zorn auf Haydns und Mozarts Errungenschaften, mit einer wundersamen Klarinetten-Kantilene, die Romantik vorwegnehmend; mit einem munteren Tänzchen, dessen Trio Weigle schön breit ausspielen lässt, und einem zupackenden und dennoch leichtfüßigen Kehraus. So stilistisch einfühlsam, klanglich delikat und rhythmisch unbeschwert kann es ruhig auch in der neuen Saison weitergehen …

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