Teuflisch schwere Stücke gemeistert

Offenbach - Bei den Hauskonzerten der Bieberer Dr. Andor Schmidt Stiftung dominieren Pianisten. Der Duoabend mit Geigerin Maria Azova und Pianistin Irina Loskova war eine willkommene Abwechslung, zumal auch hier höchstes Niveau geboten wurde. Von Eva Schumann

Die jungen Musikerinnen begannen gleich mit einem künstlerischen Schwergewicht. Brahms’ G-Dur-Violinsonate op. 78 prägen Liedzitate als Ausgangspunkt für zyklische Verarbeitung. Das Duo traf die richtige Mischung aus Zärtlichkeit, Wehmut und schwärmerischem Aufbegehren, die Geigerin mit kantablem, durchweg expressivem Ton, die Pianistin als souveräne Partnerin, voll Klarheit und gestalterischer Flexibilität. Besonders eindrucksvoll war der Mittelsatz mit seinem Kontrast zwischen den zärtlichen Eckteilen und dem Trauermarsch-Mittelteil, prägnant und energisch gespielt.

Die Verständigung des usbekisch-russischen Duos war perfekt auch bei der Beethovensonate a-Moll op. 25, einem eigenwilligen Stück zwischen Leidenschaft und Unschuld, Laune und Aufbegehren. Vorwärts treibend, hingebungsvoll und dabei stets kontrolliert gingen die Künstlerinnen auf die Beethovenschen Kontraste ein.

Schluchzend und tanzend, rasend und verführerisch

Musikantisch gespielt, war „Introduction und Rondo-Capriccioso“ von Saint-Saëns mehr als ein Bravourstück. Das Virtuose, das Sangliche und das Tänzerisch-Kapriziöse kamen gleichermaßen zur Geltung. Als weiteren Beweis ihrer fulminanten Technik spielte die Geigerin die zweite Solosonate von Ysaye, der hier den Violin-Virtuosen Jacques Thibaut porträtiert. Die bizarre Sonate mit den Satztiteln „Obsession“, „Malinconia“, „Danse des ombres“ und „Les furies“ beginnt mit einer Hommage an Bach, doch der „Dies irae“-Choral geistert durch alle Sätze. Die Interpretin meisterte die abenteuerlichen Raffinessen scheinbar spielend. Aus dem spukhaft zerfetzten Geschehen ließ sie stets die Melodie hervorleuchten.

Die diabolisch schwierige Carmen-Fantasie von Pablo de Sarasate beschloss das Programm. Schluchzend und tanzend, rasend und verführerisch, hatte die Januarius Gagliano aus dem Jahr 1780 ihren grandiosen Auftritt. Die Zugabe zum Dank für den herzlichen Beifall war zugleich ein Kompliment für das Haus Schmidt. Denn Tschaikowskys sehnsüchtige „Mélodie“ ist das dritte Stück der Suite „Erinnerung an einen geliebten Ort“.

Kommentare