„The Voice of Germany“ in Festhalle

Eine begabte Krabbelgruppe

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Die Halbfinalisten der Talentshow und zwei vom Publikum bestimmte Gäste gruppieren sich um Charley Ann Schmutzler.

Frankfurt - Raus aus dem Fernseh-Casting, rein in den Bühnen-Marathon. Die besten Kandidaten der quotenstärksten deutschen Talentshow „The Voice of Germany“ machten jetzt Station in Frankfurt. Von Peter Müller

In der bestens gefüllten Festhalle dürfen gleich zehn Talente den gut 6 000 Fans beweisen, dass „The Voice of Germany“ mehr ist als eine findige PR-Kampagne für berufsfröhliche Jury-Coaches. So ganz überzeugend gelingt das aber leider nicht.

Es liegt nicht an der Dreiviertelstunde Verspätung, die ein im Schneechaos stecken gebliebener Truck beschert hat. Es hat noch weniger damit zu tun, dass die „Mütter/Väter“ der Stars in spe - „Silbermond“-Stephanie, „Sunrise Avenue“-Samu oder „Fanta4“-Smudo - nur von der Videowand grüßen. Und die, nennen wir es mal „sehr eigenwillige“ Kostümierung der „Voice“-Sternchen lassen wir gleich außen vor. Womöglich ist der Garderoben-LKW auch irgendwo verloren gegangen.

In einem Atemzug mit Adele

Nein, es scheint wohl eher das, was Casting-Hohepriester Dieter Bohlen gern „Gesamtpaket“ nennt: Stimme, Ausstrahlung, Aussehen und Bühnenpräsenz. In der Festhalle, wo mit Siegerin Charley Ann Schmutzler insgesamt acht Halbfinalisten und zwei per Publikumsvoting auserkorene „Wildcard“-Nachrücker angetreten sind, tut man gut daran, sich getreu dem Titel des betont seriösen Casting-Unternehmens auf die „Voices“ zu konzentrieren. Alles andere sucht man in diesen zweieinhalb langen Stunden eher vergeblich.

Aber heißen sie nicht genau deshalb „Talents“ und nicht „Superstars“ wie bei der RTL-Konkurrenz? Beispielsweise Gewinnerin Charley Ann, Tochter von „Schwester Stefanie“ Claudia Schmutzler, die da zu Beginn für „Fix You“ den gemeinsamen Coldplay-Chor anführen muss - und gleich hinterher die gefühlige Melancholie von Asaf Avidans „Reckoning Song“ in die Arena balladiert. Die 21-Jährige, in einschlägigen Online-Foren gern in einem Atemzug mit Adele genannt und wie einst Björk in Lappland-Folklore gewandet, hat zweifellos eine eindrucksvolle Stimme.

Bilder vom Konzert in der Festhalle

The Voice of Germany in der Festhalle Frankfurt

Nur, sich auf großer Bühne vor großer Kulisse zu präsentieren ist ihr Ding nicht. Fügen wir einfach in guter Hoffnung hinzu: noch nicht. Um sie herum: die tiefst bewegte Krabbelgruppe mit Philipp Leon Altmeyer (19), Lina Arndt (18), Andrei Vesa (18), Ben Dettinger (18) und Alterspräsidentin Marion Campbell (40), die schon deshalb heraussticht, weil sie die unvorteilhaftesten Outfits mit den schrägsten Tanz-Verrenkungen einer Tina Turner kombiniert. Alles nette Stimmen, alle mühen sich nach Kräften, alle finden die Kulisse „geil“ bis „unglaublich“, aber alle fühlen sich sichtlich wohler, wenn die Kollegen mit auf der Rampe stehen.

So wird denn während der gut zwei Stunden mit Vorliebe im Chor, im Duett oder zu dritt gecovert, was auch immer zu covern ist: von Clean Bandit („Rather Be“) und Alicia Keys („Another Way To Die“) über Macklemore & Ryan Lewis („Thrift Shop“, „Can’t Hold Us“) bis Taylor Swift („Shake It Off“), Katy Perry („Roar“), Jessie („Masterpiece“) und Coldplay, deren „Viva La Vida“ eine nette Schluss-Nummer hergibt.

Natürlich wäre es unfair, die Messlatte nun schon ganz nach oben zu legen, hier sind immer noch Amateure am Werk, die nach oben wollen. Man muss kein Schwarzseher sein, um zu prophezeien: Der Weg wird kein leichter sein.

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