Roy Davis gastierte im Offenbacher Hafen 2

Tief in der Heimat verwurzelt

Offenbach - Auf dem Album hört sich die Musik recht traditionalistisch an. Der aus Portland, Maine, stammende Sänger und Songwriter Roy Davis bewegt sich im Umfeld amerikanischer Wurzelmusiken zwischen Country und Blues. Von Stefan Michalzik

Bei seinem Solokonzert auf der Wiese des Offenbacher Hafen 2 spielte er Songs aus dem Album „The Coloradas“ – in gleichsam entkleideter Gestalt, ohne instrumentalen Rahmen der Band-Arrangements, namentlich ohne Banjo- und Mandolinenspieler. Die Gesangsstimme wird einzig von der akustischen Gitarre begleitet, gelegentlich kommt ein Solo auf der Mundharmonika hinzu – und schon wirkt alles ganz anders.

Traditionelle Musik mit heutigen Motiven

Bluegrass, diese irisch-schottisch geprägte uramerikanische Volksmusik, ist vor allem durch quicke Tanzrhythmen gekennzeichnet. In der Soloversion wirken die Songs von Roy Davis zwar durchaus beschwingt, insgesamt ist der Charakter aber nicht nur bei den Balladen ruhig. Die Aufmerksamkeit für Davis’ Song-Erzählungen ist mithin erhöht. Davis singt von der Symbolik des Wohnungsschlüssels für den Anfang und das Ende einer Liebe – und überhaupt viel von Angelegenheiten um die Liebe und der Lust am Leben an anderen Orten und der tiefen Verwurzelung in der Heimat. Das macht in der Band-Fassung den Reiz dieser zeitgenössischen Überschreibung des Bluegrass mit aus: Sie bringt traditionelle Musik in einer organisch unaufgesetzt anmutenden Weise mit heutigen Motiven überein.

Ob mit Band oder solo: Die Songs sind von bezwingender Wirkung. Wenn alles mit rechten Dingen zugeht, dürfte dieser hochtalentierte Musiker mit oder ohne seine Coloradas noch größere Kreise ziehen – oder er bleibt eben doch der ewige Geheimtipp.

Rubriklistenbild: © sprachlos/pixelio

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