Tiefer in die Nacht hinein

Zurück aus der Wüste: Sänger Alex Turner

Die Welt der Arctic Monkeys ist dunkler geworden. Zwar waren die Songs der britischen Band auch früher schon für die Nacht bestimmt, doch sollte man dazu zappeln, tanzen, trinken oder den Triebstau abbauen. Von Christian Riethmüller

Doch davon ist auf dem jüngsten Album des Quartetts aus Sheffield weniger die Rede. Auf „Humbug“ geht es tiefer in die Nacht. Die Arctic Monkeys können neben zickig-zackigem, tanzbaren Brit-Punk nun auch düsteren, Nick Cave-inspirierten Rock spielen. Davon konnte man sich am Dienstagabend bei einem Konzert in der nahezu ausverkauften Stadthalle Offenbach überzeugen. Dabei hat sich die Band um Frontmann Alex Turner mit der rockigeren Ausrichtung noch gar nicht einmal neu erfinden müssen. Die schneidenden Riffs und stakkatohaften Rhythmen, die Hits wie „I bet you look good on the dancefloor“ auszeichnen, sind immer noch da, nur eben mit einem großen, lauten und dunklen Gitarrensound versehen, der die Höhen vernachlässigt und dafür den Bass mehr betont.

Für diesen muskulöseren Sound steht Josh Homme ein, der das jüngste Album der Arctic Monkeys produzierte. Die Zusammenarbeit mit dem Kopf der Stoner-Rock-Helden Queens of the Stone Age in der Mojave-Wüste im amerikanischen Westen zeigte den Arctic Monkeys nicht nur neue Horizonte, sondern wies ihnen auch einen Ausweg aus der Sackgasse, in der sich zahlreiche andere britische Bands aus dem Kaiser-Franz-Bloc-Park-Umfeld derzeit befinden. Das schwierige dritte Album haben die Arctic Monkeys jedenfalls zukunftsträchtiger als die Kollegen hinbekommen.

Auch Kracher der ersten beiden Alben

Doch während des 90-minütigen Auftritts ging es nicht nur um neue Sounds und abstraktere Songstrukturen, die etwa beim Auftaktsong „Dance little liar“ trotz aller vertraut erscheinenden Zappeligkeit den Nihilismus in Turners Text über das Ende der Unschuld aufblitzen ließen. Selbstverständlich hatte die Band aber auch die Kracher von den ersten beiden Alben „Whatever People Say I Am, That‘s What I Am Not“ und „Favourite Worst Nightmare“ im Gepäck, die mit großem Hallo des Publikums aufgenommen wurden. „View from the Afternoon“, „If You Were There, Beware“ oder die Zugabe „Flourescent Adolescent“ wirkten auch in den mächtigeren Live-Versionen noch leichtfüßig genug, um dazu nicht nur die Matte, sondern auch die Beine zu schütteln.

Ihr Potential zeigten die Arctic Monkeys aber auch bei einer gelungenen Coverversion von Nick Caves „Red right hand“ oder bei der feinen Balladen „Cornerstone“, die die Band aus der amerikanischen Wüste ins britische Seebad Brighton führte und dort ins Terrain der Kooks. In deren Repertoire hätte man den feinnervigen Gesang eigentlich eher vermutet, der die Welt gleich wieder etwas heller erscheinen ließ.

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