Tierfreund mit kesser Lippe

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Kool Savas

Neu-Isenburg - Mitten in der Krise tobt auch noch der Kampf um die Vorherrschaft im deutschen HipHop. Rapper Kool Savas steht immer erst an dritter Stelle, wenn sich die untereinander angeblich verfeindeten Kontrahenten Bushido und Sido medienwirksam um Platz eins rangeln. Von Ferdinand Rathke

Dass Kool Savas mit seinem Schicksal hadert, kann der eiserne Vegetarier, der sich gegen Massentierhaltung einsetzt, in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle nicht verbergen. Kaum hat Kool Savas die Bühne betreten, demonstriert er mit eindeutigen Gesten und Worten, wer Herr im Hause ist.

Recht martialisch präsentiert sich der in harten Reimen formulierte Protest des selbst ernannten Sprachrohrs der Unterpriviligierten. Auch die Körpersprache von Kool Savas signalisiert: Achtung, hier lauert angriffslustig der Leitwolf. Unflätige Schimpftiraden feuert der Gangsta-Rap-Veteran wechselweise im Gespann mit den MCs Moe Mitchell, Franky Kubrick und Olli Banjo ab. Zumindest den Nerv des überwiegend männlichen Publikums jugendlichen Alters treffen ellenlange Lamentos über Bandenkriege, Jugendkriminalität und Solidaritätsbewusstsein unter Ausgestoßenen. Flächendeckend untermalt wird der Protest von DJ Sir Jai, dessen Klangcollagen das Trommelfell erbeben lassen.

Mangelndes Selbstbewusstsein zählt definitiv nicht zu den Charaktereigenschaften von Kool Savas. Ein signifikantes Merkmal, das ihn als Jugendidol der Gegenwart geradezu prädestiniert. Gleich den Vorbildern aus USA markiert auch er zwischen Schmierenkomödie und Schaukampf den dicken Max. Dafür wird der vermeintliche Rüpel wie der Diktator einer Bananenrepublik gefeiert.

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