Völlig entspannt im Hier und Jetzt

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In sich ruhend: Tim Bendzko auf der Bühne

Offenbach - „Das war ein würdiger Tourauftakt“ freut sich Tim Bendzko am Ende des 90-minütigen Konzerts im ausverkauften Capitol. Wenn man den Auftritt in Offenbach mit einem Wort beschreiben wollte, so wäre „bezaubernd“ naheliegend. Von Anke Steinfadt

Weder Bühneneffekte noch außergewöhnliche Garderobe oder stimmungsfördernde Ansagen sind nötig, um das Publikum für sich einzunehmen. Dem 26-Jährigen gelingt das ohne Posen in Jeans und Turnschuhen auf ganz und gar unaufgeregte Art – allein durch seine Musik und seine Anwesenheit.

Völlig entspannt im Hier und Jetzt wirkt der ehemalige Theologie-Student mit dem entwaffnenden Lächeln. Rund 30 Konzerte, nahezu alle bereits im Vorfeld ausverkauft, stehen ihm in den kommenden sechs Wochen bevor. „Nur noch kurz die Welt retten“ avancierte im vergangenen Jahr innerhalb kürzester Zeit in Deutschland zum Ohrwurm und katapultierte den Newcomer, unterstützt durch den Sieg beim „Bundesvision Song Contest“, an die Spitze der Verkaufslisten. Den Erfolgshit präsentiert der Sänger bereits in der Mitte des Konzerts wie nebenbei und holt sich dazu den Deutsch-Rapper F.R. aus dem Vorprogramm mit auf die Bühne. „Wenn Worte meine Sprache wären“, Titelsong des Debütalbums, hebt er sich bis zum Schluss auf.

Neben den 13 Stücken des aktuellen Tonträgers spielt er den „inoffiziellen WM Song 2008“, außerdem einen Vorschlag für die EM 2012 sowie das fürs Kino produzierte „Weitergehen“. Außerdem die demnächst zur Veröffentlichung stehende Single „Ich laufe“ und das erst eine Woche alte „Ich will zu dir“. Es ist zur Abwechslung angenehm, wenn in diesen Momenten die ansonsten hundertprozentig textsicheren Stimmen im Publikum verstummen.

Lieder von der Liebe und dem Leben

Erwartungsgemäß sind mehr Frauen gekommen, um den smarten Berliner live zu erleben. Besonders augenscheinlich wird dies als bei einer der sparsam eingestreuten Interaktionen mit dem Publikum der Refrain von „Keine Zeit“ zunächst vom weiblichen, dann vom männlichen Teil skandiert wird. Letztere erzeugen kaum mehr als ein Gemurmel. Entgegen der Erwartung dagegen ist, dass die Altersgrenze der Besucher nach oben offen ist. Tim Bendzko und seine gut aufgelegte fünfköpfige Band nebst Background-Sänger überzeugen generationsübergreifend.

Er singt von der Liebe und dem Leben, vor allem von den Widrigkeiten, mal simple Zeilen wie „Ich habe Bilder von dir, ich weiß du gehörst zu mir“, dann philosophische („Man sagt, dass alles Glück dieser Welt vor unseren Augen liegt, doch wie oft täuscht man sich in dem, was man mit den Augen sieht“) oder sanft-anarchische: „Ich hab’ heut’ keine Zeit, ich steh’ erst auf, wenn ich aufgewacht bin.“

Manchmal wirkt er gänzlich in sich gekehrt, wenn er, von einem Fuß auf den anderen tänzelnd, den Oberkörper hin und her pendelt. Durchweg bewahrt er seine Gelassenheit. Die blonden Locken sind zwar irgendwann durchnässt, aber übermäßige Anstrengung ist ihm nicht anzumerken. Es ist vermutlich die Art ungekünstelter Leichtigkeit, die Tim Bendzko und seine Musik so beliebt macht.

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