Töne von tiefer Trauer beseelt

Im vergangenen Jahr mit Tschaikowskys fulminant gespieltem Violinkonzert in der Alten Oper Frankfurt zu Gast, stand Arabella Steinbachers neuer Auftritt unter traurigem Vorzeichen: Ihr Vater starb letzte Woche. Von Klaus Ackermann

Trotzdem stellte sich die junge Frau dem Publikum, Mozarts Violinkonzert G-Dur dem Vater widmend, der es mit ihr einstudiert hatte. Apollinischen Schönklang beförderte die von Herbert Blomstedt geleitete Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit zwei Mozart-Sinfonien.

Blomstedt, Titan der Dirigierzunft, benötigt keinen Taktstock, um Impulse zu versenden, die ein so intensives Miteinander bewirken, dass die C-Dur-Sinfonie KV 338 so tönt, als hätte sie der Salzburger erst am Vorabend geschrieben. Dabei nutzt der schwedische Pultstar, lebenslang Klangforschung betreibend, die historische Aufführungspraxis für überaus lebendiges Musizieren. Das lieben die Bremer, wie am Körpereinsatz erkennbar ist.

Neben festlichen C-Dur-Tutti ist melodische Feinarbeit im Spiel, ein Streicherklang, der im silbrigen Andante auf einer Atemkurve zu basieren scheint. Die scharfen Tempi des Finales signalisieren blindes Einverständnis, auch im Violinkonzert G-Dur KV 216 praktiziert. Mozarts melodischer Einfallskraft begegnet Steinbacher mit souveränem Stilgefühl, der noble Ton ihrer Stradivari schwingt delikat und variiert virtuos die Themen in der von Doppelgriffen stabilisierten Kadenz. Spannend der Kontrast zwischen dem schwebenden Tonfall der Solistin und dem vibratolosen Spiel der Kammerphilharmonie. Präzise wie ein Uhrwerk der Kehraus, ein flotter Dreivierteltakt mit überraschenden Wendungen bis zum angedeuteten „alla turca“, dem die Geigerin den langsamen Satz einer Solosonate von Bach nachschickt – beseelt von großer Trauer.

Blomstedt und Mozart: Da ist die Jupiter-Sinfonie, im hellen C-Dur-Licht, ein Muss. Bei den energisch rumpelnden Triolen des Eingangsthemas scheint Beethoven nahe. Klangliche Kraft, intensives Miteinander der Philharmoniker und die Weisheit des Weltklasse-Dirigenten bescheren eine Sternstunde. Trotz enervierender Spannung bleibt die klassische Harmonie gewahrt. Ausgesprochen entspannend der zugegebene Walzer aus Carl Nielsens „Kleiner Suite“ für Streicher, der lange nachschwingt: Wiener Charme aus Dänemark!

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