Wasser statt Bier

Toten Hosen in der Festhalle

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Andreas Frege alias Campino hat die ausverkaufte Festhalle auf Anhieb im Griff.

Frankfurt - Ein Fan brachte es auf den Punkt: „Früher haben sie sich Bier reingekippt und die Dosen ins Publikum geworfen, heute schmeißen sie Vittel-Flaschen. “ Dreißig Jahre sind eben auch an der Düsseldorfer Punkband Die Toten Hosen nicht spurlos vorbeigegangen. Von Patrick Leonhardt

Doch die Düsseldorfer präsentieren sich auf der Bühne der Frankfurter Festhalle bei ihrer „Krach der Republik“- Tour topfit und bestens austrainiert. Als Hosen-Sänger Campino im Verlauf des Konzerts sein T-Shirt auszieht und die heruntergerutschte Hose reichlich viel Becken freigibt, atmen die Mädels tief ein: An Attraktivität hat der Hosen-Sänger auch mit 50 Jahren nichts eingebüßt. Und die ausverkaufte Festhalle, die hat Campino ohnehin nach wenigen Augenblicken fest in der Hand. Ein kurzes „Hinsetzen“ genügt da, und die komplette Halle geht zu Boden. Was kommt? Na klar, „Steh’ auf, wenn du am Boden liegst“. Bei den ersten Zeilen des Refrains erhebt sich das Publikum wie ein Mann und schmettert die nächsten Zeilen.

Verändert haben sich nicht nur die „Hosen“, sondern auch das Publikum. Da, wo vor dreißig Jahren noch echte Punks den Ton angaben, tanzen jetzt gerade dem Teeniealter entsprungene Hüpfer direkt neben letzten Vertretern der Studentenbewegung. Eines haben sie gemeinsam: Sie genießen die zweistündige Volldampf-Party. Nach zwei Liedern läuft der Schweiß in Strömen – bei der Band ebenso wie beim Publikum.

In den Frankfurter Fans finden die Düsseldorfer perfekte Verbündete: Schließlich sind die Fortuna-Fußballer ebenso wie die Eintracht im Sommer gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen. Das ist zu spüren, wenn aus tausenden Kehlen „Auswärtsspiel“ oder „Schade, wie kann das passieren?“ erklingt. Die Düsseldorfer präsentieren – wie gehabt – einen abwechslungsreichen Mix aus Liedern des aktuellen „Ballast der Republik“-Albums und alten Hits wie „Hier kommt Alex“, „Bonnie & Clyde“ oder, ganz tief aus der Mottenkiste, „Liebesspieler“. Dazu Lieder der Ärzte und von Rio Reiser – es darf abgetanzt werden.

Bilder vom Konzert in der Festhalle

Die Toten Hosen in der Festhalle

Nur auf den „Bayern“-Song verzichten die fußballbegeisterten Punkrocker. Wahrscheinlich, weil die Münchner in dieser Bundesliga-Saison den anderen Mannschaften haushoch überlegen sind. Selbst einem an diesem Konzertabend wieder starken Bündnis aus Frankfurtern und Düsseldorfern.

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