Tränenreiche Andacht

Frankfurt - Kaum hörbar von Keyboarder Buddy Millers Akustikgitarre begleitet, zelebriert Emmylou Harris das ätherische „Calling My Children Home“. Von Ferdinand Rathke

Andächtige Stille in der nahezu ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle, die komplett bestuhlt den Eindruck vermittelt, als säße das durchweg reifere Publikum in einem Kirchenschiff. Und doch ist es nur ein weiterer Song eines mit Höhepunkten geradezu überfrachteten Gastspiels, das beweist: Emmylou Harris bleibt auch im fortgeschrittenen Alter von 64 Jahren die einzige wahre Grande Dame des Country und Folk.

Mit der Aura eines Hippie-Girls markiert sie beneidenswert zeitlose Jugendlichkeit und schöpft mit ihrer virtuosen Begleitband Red Dirt Boys aus einem reichen Fundus – eine Mixtur aus eigenen Songs und geschmackssicheren Interpretationen. Gillian Welchs „Orphan Girl“ findet sich ebenso wie Buck Owens’ „Together Again“ oder „Hello Stranger“ aus dem nicht minder reichhaltigen Repertoire der Carter Family. Gemeinsam ist allen, dass sich Emmylou Harris Songs einzuverleiben versteht, als wären sie mal aus der eigenen Feder geflossen.

Bei Townes van Zandts „If I Needed You“ lässt sie ebenso Nähe spüren wie in Gram Parsons „Sin City“ und „Going Back To Harlan“ von Kate und Anna McGarrigle. Für ihren Mentor Parsons komponierte sie den neuen Song „The Road“. Auch der verstorbenen Kate McGarrigle widmet sie ein Lied. Nur zur Gitarrenbegleitung ertönt ihre glasklare, in Jahrzehnten gereifte Stimme in „Darlin’ Kate“. Zum Weinen schön.

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