Rainhard Fendrich mit neuen Album in der Alten Oper

Träume und unsanfte Landungen

Frankfurt - „Macho, Macho“, sang Rainhard Fendrich anno 1988 und landete damit prompt in den deutschsprachigen Hitparaden. Von Maren Cornils

1992 folgte sein nicht minder erfolgreiches „Es lebe der Sport“, der Job als Moderator der Kuppelshow „Herzblatt“ tat ein Übriges, den Sänger auch jenseits der österreichischen Grenzen bekannt zu machen. Seine „Besser wird’s nicht“-Tournee führte den charismatischen Liedermacher jetzt in die Alte Oper.

„Man nimmt sich die Freiheit und das Schicksal seinen Lauf“, stimmt Fendrich ohne längere Einleitung seinen ersten Song „Über meinen Horizont“ an, eine leise, beinahe melancholische Nummer über das, was ihm wichtig ist: Neugier und Gelassenheit. Vom Erwachsenwerden und der damit verbundenen Ernüchterung, von Träumen und der unsanften Landung in der Realität, aber auch von Liebe, Geborgenheit und dem Gefühl der Entfremdung handeln seine Songs, deren Texte sich bei genauem Hinhören als ebenso poetisch wie pointiert entpuppen.

Mahner in Liedermacher-Tradition

„Jede Ros’ n lacht dich an, bevor’ s dich sticht, weil man Dornen übersiecht“, ist da zu hören, nur damit Fendrich Minuten später zeigt, dass er auch anders kann: Ob in „Der Lobbyist“ vom neuen Album „Besser wird’s nicht“ oder in „Tango korrupti“, Fendrich versteht es nicht nur, allseits bekannte menschliche Gefühlslagen zu beschreiben. Er sieht sich in bester Liedermacher-Tradition auch als Mahner und warnt davor, Geld vor Gewissen zu setzen. „Unverbrauchte Geister braucht das Land“, fordert er denn auch im Titelsong des neuen Albums, um sich sodann in „Club der Milliardäre“ über gesellschaftliche Auswüchse zu mokieren.

Eher einseitigen Applaus hingegen erntet Fendrich, dessen feinsinniger Humor immer wieder in den Überleitungen zu den einzelnen Songs aufblitzt, für seine Erkenntnisse rund um das starke Geschlecht in „Männersache“ wie auch in dem fetzigen „Wenn Männer verletzt sind“. Ob „Wie Gott im Werbespott“ oder das ausdrucksstarke, in Country-Klänge verpackte „Brüder“, in dem Fendrich die Kraft der Freundschaft besingt und religiöse Borniertheit geißelt - obwohl seit mehr als 30 Jahren im Geschäft beweist der Österreicher, dass er es noch immer versteht, von Dingen zu singen, die Gewicht haben und Menschen bewegen.

Rubriklistenbild: © dpa

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