Tragödie hat Verona-Format

Mit einem großen Namen ist die Wiederentdeckung von Gaetano Donizettis Oper „Anna Bolena“ verbunden: Maria Callas war es, die Mitte des vergangenen Jahrhunderts die Belcanto-Tragödie aus einer Art Dornröschenschlaf weckte. Von Axel Zibulski

Bei der konzertanten Aufführung in der Alten Oper Frankfurt war es die südafrikanische Sopranistin Elza van den Heever, die diese Mammut-Partie mit ihren brillanten Koloraturen und einer „Wahnsinns-Arie“ sang. Die historische Anne Boleyn gehörte zu den zahlreichen Gattinnen des in dieser Hinsicht die Abwechslung liebenden Windsor-Königs Henry VIII – mit bekanntlich letalem Ende für die unsanft Abgedankten. In Donizettis Oper auf ein Libretto von Felice Romani bleibt freilich auch Anna nicht frei von abschweifenden Gedanken; sie trifft sich im Schlosspark heimlich mit einem gewissen Riccardo Perci: Viel Raum also für große Gefühle.

Dass „Anna Bolena“ immer noch ein Schattendasein auf der Bühne führt, mag vielleicht daran liegen, dass bekannte und wirklich eingängige Nummern eher Mangelware sind. Die konzertante Aufführung, eine Koproduktion der Alten Oper mit der Oper Frankfurt, stellte immerhin die Musik vor – auch wenn die Bühnenwirksamkeit des Stoffs eigentlich nicht in Frage stehen dürfte.

Weitere Aufführung am 27. Oktober.

Elza van den Heever war in der mit leichten Kürzungen versehenen Aufführung eine eher kühle als glutvolle, dabei vokal hoch versierte, verzierungssichere, aber auch im Umgang mit dem Notentext belebend freizügige Anna Bolena, neben der Ismael Jordi als ihr Liebhaber Perci besonders gefordert war. Der junge spanische Sänger hatte es mit seinem etwas engen Tenor trotz erfrischend charakteristisch-markanter Stimmfärbung nicht ganz leicht, auch weil mit Giuliano Carella ein Dirigent am Pult des Opern- und Museumsorchesters stand, der im Verona-Format musizierte, deftig, kräftig, mit Schmiss und Effekt.

Der von Matthias Köhler einstudierte Chor fügte sich in diese konzertante Aufführung so treffend ein wie Bassbariton Paul Gay als trocken-dunkler Gatte Enrico. In den kleineren Partien ergänzten beispielsweise Claudia Mahnke als Annas Hofdame Giovanna und Jenny Carlstedt in der Hosenrolle des Pagen Smeton die Dreiecks-Geschichte. Der Applaus war ähnlich kraftvoll wie die Aufführung.

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