Traum vom ganz großen Pop

Es soll der ganz große Pop sein. Das lässt Maximilian Hecker mit jedem seiner Songs spüren. Und auch, dass er vermutlich das Zeug dazu hätte. Das Konzert im Frankfurter Mousonturm eröffnete die englische Sängerin Gemma Ray mit kernigem Rhythm’n’Blues von der alten Sorte, der sie als beachtenswerte Entdeckung ausweist.´Von Sebastian Hansen

Maximilian Hecker hat sich ganz und gar der Schönheit im neoromantischen Sinne verschrieben. Darin treibt er es so weit, dass er sich schon genötigt sah, die Unterstellung einer ironischen Überzeichnung zurückzuweisen. Tatsache bleibt: Der Berliner trägt mächtig dich auf. Seine Songs sind aufgeladen mit tiefer Gefühligkeit um Sehnsucht, Liebesverlust und Düsternis. Das jüngste Album „One Day“ wendet sich in mehrfach dem Motiv der Endlichkeit des Daseins zu.

In die Vollen geht Hecker, der kolportieren lässt, er sei in Asien ein Star, auch musikalisch. Die Arrangements seiner Alben, deren Reihe 2001 das Debüt „Infinite Love Songs“ eröffnete, sind dicht und opulent. Früher hat Hecker mit Momenten von Synthiepop und Drum’n’Bass gearbeitet. Live verzichtet er gänzlich darauf, die Songs von „One Day“ fallen durch eine neue Note von Countrypop auf.

Seine Stimme gibt die Melodien vor, allerdings nicht mehr so oft in Falsettlage. Doch kommt es auch vor, dass die Band urplötzlich in einen krachend expressiven Riffmetal ausbricht. Alles schön. Und soweit auch gut. Aber so ganz die Kurve bekommt Hecker dann doch nicht. Ein Rest von uneingelöstem Versprechen bleibt. Mögen die Songs auch noch so expressiv sein, unter die Haut gehen sie nicht. Es könnte damit zusammenhängen, dass Hecker zwar viel von Seelenpein kündet, aber nicht ernstlich dazu steht. Ein Beleg für die These wäre die penetrant witzelnde Selbstironie in den Ansagen. Für den großen Wurf braucht es mehr Souveränität.

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