Ferrulli spielt Werke der Bach-Familie

Treffen von Generationen

Offenbach - Carmenio Ferrullis Bach-Reihe 2014 auf seiner historischen Voigt-Orgel in Rumpenheims Schlosskirche ist in Rhein-Main ohne Vergleich. Von Reinhold Gries 

Zu deren Auftakt standen - im Doppelpack zweier sehr gut besuchter Konzerte - Kompositionen der Ahnen denen des Großmeisters Johann Sebastian Bach gegenüber, die auf dem Orgeldenkmal im Barockraum besonders authentisch wirkten. Selten zu hörende Kostbarkeiten sind die Domäne des Offenbacher Musikwissenschaftlers und Organisten Ferrulli, auch „Artist in residence“ an Bad Homburgs spätbarocker Schlosskirchenorgel. Abwechslungsreich gruppierte er um das einzig zugeschriebene Orgelwerk von J.S. Bachs Wechmarer Großonkel Heinrich Bach nie gehörte Werke von dessen Söhnen Johann Christoph und Johann Michael, die auch als Kirchenmusiker im thüringischen Arnstadt und in Eisenach hervortraten.

Heinrich Bachs prägnant bearbeiteter Psalmchoral „Erbarm dich mein, oh Herre Gott“ mit chromatischem Gegenthema und zwölffach variierten Choralthema stand für Hochbarock, den Ferrulli klangmächtig inszenierte. Auch Johann Christoph Bachs „Praeludium & Fuga Es-Dur schienen nach akkordischem Introitus in Fülle und verzwickter Polyphonie Werke des Großmeisters vorzubereiten. Kontrastreich zauberte Ferrulli mit Johann Michael Bachs sanglichen Variationen zum „In dulci jubilo“ über lang gehaltenen Bass-Linien Weihnachtsstimmung ins Dreikönigskonzert.

Spannungsreich und transparent

Wundervoll gespielt auch die Choralpartita „Du Friedefürst, Herr Jesu Christ“ Johann Bernhard Bachs, des Cousins von Johann Sebastian Bach, wie dieser auch in Weimar ausgebildet. Am verinnerlichten Thema und vier virtuosen Variationen hörte man, warum „J.S.B“ solche Werke später mit seinem Leipziger Collegium Musicum aufführte. Von meditativer Kraft und suggestiver Schlichtheit dann der Orgelsatz „Erbarm dich mein, o Herre Gott“ von J.S. Bach selbst komponiert.

Unglaublich spannungsreich und transparent gespielt dessen einzige Passacaglia in c-Moll mit zwanzigfach variiertem Thema eines französischen Orgelmeisters, die bekannteste Passacaglia des Barock und der Höhepunkt des Konzerts. Unwiderstehlich und gleichzeitig präzise wie ein Uhrwerk zauberte Ferrulli Bachs reich figuriertes, melodisch wie harmonisch ständig verwandeltes Klanggebäude aus dem nicht leicht zu spielenden, aber sehr charaktervollen Orgeldenkmal. Überraschend, wie das berauschende, kaum mehr zu überblickende Spielwerk noch durch eine komplexe Fuge gesteigert wurde, die nur anfangs normalen Verlauf nahm. Den enormen Spannungsbogen zog Ferrulli bis in die große Schlusskadenz und beschloss diese mit imperialem Glanz. Eine Offenbacher Orgeldemonstration voller Esprit und Rasanz, die von Ferrullis Bach-Reihe viel erwarten lässt.

Weitere Folgen von Carmenio Ferrullis Reihe „Johann Sebastian Bach 2014“ gibt es jeweils am 1. Sonntag des Monats in Rumpenheims Schlosskirche.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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