Tugendhaftes Showtalent

So ein Debakel hat der arme Kerl nun wirklich nicht verdient! Nach seinem Sieg beim Nachwuchswettbewerb „Deutschland sucht den Superstar“ schlug Daniel Schuhmacher nach anfänglichem Jubel von allen Seiten eisiger Wind entgegen: Von Hassern wurde ihm im Internet Gewalt angedroht, bundesweit ignorieren Radiosender seine Lieder, und von der groß angekündigten ersten Tournee durch Deutschland mussten diverse Auftritte in kleinere Hallen umgebucht oder ganz abgesagt werden. Von Ferdinand Rathke

Auch das finale Konzert in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle passt in das Szenario – nicht mal zu einem Drittel gefüllt ist die Halle. Dabei gibt er sich in 70 Minuten redlich Mühe, seinen Titel als amtierender Superstar zu verteidigen, obwohl Mentor Dieter Bohlen ihm zur Trennung hinterher rief, ihm mangele es an „Killerinstinkt“. Das Beispiel des Sangeskollegen Sasha, in dessen Fußstapfen der 22 Jahre alte gelernte Industriekaufmann aus Pfullendorf durchaus einmal treten könnte, straft Bohlens These Lügen: Auch ein Netter kann es an die Spitze schaffen.

Mit kompetentem Sextett im Rücken werkelt sich Daniel Schuhmacher durch ein noch spärliches Repertoire aus Songs seines Debüts „The Album“ und neuem Material, das im Frühjahr 2010 erscheinen soll. Belangloser Schmusepop mit hohem Balladenanteil, noch von Bohlen komponiert, mit unsäglichen Titeln wie „Take Me To The Clouds“, „I Love Your Smile“ oder „It’s A Lonely Night“, wechselt sich ab mit geschmackvoll interpretierten Cover-Versionen von Kelly Clarkson, Eurythmics und Bill Withers, die er mit perfekter Stimme auch in den Mottoshows so schön sang. Ein Akustik-Set unterstreicht Daniels Qualitäten, die derzeit anscheinend nur Kinder unter zehn Jahren sowie deren Eltern mit ordentlichem Beifall zu würdigen wissen.

Gezielt verbessern sollte der Bursche mit den allzu saloppen Überleitungen zwischen den Songs seine Körpersprache, damit das Publikum ihm den Popstar auch abnimmt. Mit dicker Hornbrille allein lassen sich fehlendes Selbstbewusstsein und mangelnde Routine nicht kaschieren. Als außerordentlichen Pluspunkt verbuchen kann Daniel Schuhmacher indes, dass er ein eigentlich zum Scheitern verurteiltes Gastspiel vor quasi leerer Halle mit dickem Fell, immensem Talent und ganz viel Sympathie in einen Erfolg verwandelt hat. Mit derartigen Tugenden und mit ein wenig Glück müsste es doch gelingen, seinen etwas verfahrenen Karrierestart in die richtigen Gleise zu lenken.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare