TV-Kritik: „Tatort“-Duo gerät endlich in Schwung

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Sabine Postel (als Hauptkommissarin Inga Lürssen) und Oliver Mommsen (als Kommissar Stedefreund)

Bremen - In einem tristen Bremer Wohnblock wird ein Ehepaar ermordet. Blut klebt überall in der Wohnung, aber von Nadine, der neunjährigen Tochter, fehlt jede Spur.

Inga Lürsen (Sabine Postel) findet das verstörte Kind. Das Mädchen muss die Tat beobachtet haben, spricht allerdings kein Wort. Um der Kleinen etwas zu entlocken und um Nadine vor dem Mörder zu schützen, quartiert sich Lürsen als „Tante Inga“ bei Nadine ein.

„Tatort“-Kommissarin Inga Lürsen als Undercover-Ermittlerin in einer Hochhaussiedlung, mit Fluppe im Mundwinkel und Pulle in der Hand, das muss man erst einmal verkraften – wie auch einige logische Brüche. Dann entwickelt die anfangs irritierend gestellt erscheinende Situation aber Dynamik, denn das Hochhaus steckt voller besorgter Nachbarn und Freunde des ermordeten Paares. Bald sieht man, dass nicht alle so liebevoll miteinander umgingen, wie sie der Polizei erzählen.

Offensichtlich hat man sich bei Radio Bremen Gedanken gemacht, wie man das leicht dröge Gespann Lürsen und Stedefreund (Oliver Mommsen) in Schwung bringt, damit sie sich dank ähnlich origineller Drehbücher auf Augenhöhe mit den Münsteraner oder Münchner Kommissaren etablieren. Regisseur und Autor Thorsten Näter gelingt dies mit „Stille Wasser“ recht gut. Die Szenen sind spannend, teilweise sogar witzig. Die Dialoge wirken lebensnah und nicht nur so, wie sich Menschen mit Hochschulabschluss Menschen ohne denselben vorstellen. Großartige Schauspieler wie Dagmar Manzel, Anna Maria Mühe und Ulrich Matthes sorgen für die nötige Intensität: ein Fall, der im Gegensatz zu den häufigen Politsumpf-Verschwörungsgeschichten in seiner reduzierten Linie ideal zu dem gut funktionierenden Ermittlerteam passt.

Ulrike Frick

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