TV-Kritik: Würdiger "Tatort" zum 20. Geburtstag

Hamburg - Sie wollte den Buchstaben des Gesetzes Geltung verschaffen, am Ende wird sie selbst zur Mörderin. Eine bittere, fast zynische Bilanz zieht Drehbuchautorin Dinah Marthe Golch für die Figur der ehrgeizigen Rechtsanwältin Regina Zimmer (Lisa Wagner).

Sie hat die undankbare Aufgabe hat, einen mutmaßlichen Vergewaltiger und Mörder zu verteidigen. Nicht die Tat und auch nicht die Arbeit der Ermittler stehen im jüngsten Münchner „Tatort“ (ARD) mit dem Titel „Nie wieder frei sein“ im Mittelpunkt, sondern die Verheerungen, die der Fall in allen Beteiligten hinterlässt. Dieser Film zeigt schonungslos nicht nur das traumatisierte Opfer (Anna Maria Sturm), sondern auch dessen hilflose Eltern (Ulrike Arnold und Rainer Bock), den zornigen Ex-Freund (Stephan Zinner), den ratlosen Vater des Täters (Thilo Prückner).

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

Lediglich die Persönlichkeit des Täters (Shenja Lacher) bleibt etwas diffus. Regisseur Christian Zybert taucht seine Bilder oft in ein tristes Blaugrau, das in einem starken Kontrast steht zum Blutrot der Emotionen, die die Handelnden beherrschen. Ein Film wie ein permanenter Wut- und Schmerzensschrei, unkontrollierte Gefühle, die auch die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) nicht kalt lassen.

Beeindruckend, wie in ihren Figuren der Widerstreit zwischen Recht und (un-)gerechtem Zorn kulminiert. Ja, sie können auch anders als sich – innerlich unbeteiligt – durch ihre Fälle zu witzeln. „Nie wieder frei sein“ ist ein würdiges Geschenk zum 20. Geburtstag des Duos Batic/Leitmayr, nicht zuletzt weil hier ein fantastisches Ensemble glänzen darf, das Menschen aus Fleisch und Blut spielt, jenseits der üblichen Konventionen.

Rudolf Ogiermann

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