Konzert in Festhalle

Frankfurt feiert Udo Jürgens

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Eine Legende mitten im Leben: Udo Jürgens wurde bei seinem Konzert in der Festhalle vom Frankfurter Publikum frenetisch gefeiert.

Frankfurt - Es ist ein ungewöhnliches Bild am Ende eines Udo-Jürgens-Konzerts: Nicht im obligatorischen Bademantel sitzt er da, sondern in Bluejeans, mit heraushängendem, durchschwitztem weißem Hemd. Von Dirk Iding 

Er wirkt abgekämpft, denn er hat mehr als zweieinhalb Stunden lang alles gegeben. Aber er lächelt beseelt und lässt fast ungläubig den Blick durchs weite Rund der Frankfurter Festhalle schweifen, wo der Jubel, die Begeisterung und der Applaus einfach nicht enden wollen. Woran mag Udo Jürgens in diesem Moment wohl gedacht haben? Vielleicht an die vielen, vielen Konzerte, die er in den vergangenen Jahrzehnten in dieser Halle schon gegeben hat. Dabei ist er schon oft von seinem Frankfurter Publikum gefeiert worden. Doch dieses Maß an Sympathie, Respekt, ja Liebe, die dem mittlerweile 80-jährigen Sänger an diesem so wunderbaren Abend in der seit Wochen ausverkauften Halle entgegenschlägt, toppt alles. Schon als er die Bühne betrat, gab es stehende Ovationen. Frankfurt feiert einen Künstler, der schon zu Lebzeiten eine Legende geworden ist - und dennoch „mitten im Leben“ steht.

So ist denn auch die Tournee betitelt, die Udo Jürgens natürlich auch nach Frankfurt führte. Ein 80-Jähriger mitten im Leben? Na klar! Udo Jürgens hat seinem Publikum auch nach mehr als fünf erfolgreichen Jahrzehnten auf den Bühnen dieser Welt noch immer etwas zu sagen. Das wird besonders im ersten Konzertteil deutlich, in dem er einige Lieder seines aktuellen Albums präsentiert. Da ist er ganz auf der Höhe der Zeit, etwa wenn er in „Der gläserne Mensch“ vor den Gefahren der totalen Überwachung warnt oder in „Das Leben bist Du“ die Eigenverantwortung eines jeden einzelnen für sich und die Gesellschaft anmahnt. Aber selbst Udo Jürgens ältere Lieder scheinen heute mitunter aktueller denn je. Ein Beispiel ist „Die Krone der Schöpfung“, eine mehr als zehnminütige symphonische Dichtung, die Udo Jürgens einst mit Herbert von Karajans Berliner Symphonikern einspielte. Aber auch dem wie immer glänzend aufgelegten Orchester Pepe Lienhard gelingt es, die ganze Wucht dieses Meisterwerks ebenso zum Klingen zu bringen wie dessen zarte Passagen.

Aber nach der Pause ist dann endgültig Party angesagt. Da schöpft Udo Jürgens aus seinem prall gefüllten Repertoire von Erfolgshits, die eigentlich mindestens für ein halbes Dutzend ansehnlicher Musikerkarrieren gereicht hätten. Aber auch dabei gelingt es dem 80-Jährigen sein Publikum noch immer zu überraschen, etwa mit einem besonders gefühlvoll gesungenen „Griechischen Wein“ oder einem eindrucksvollen Duett von „Immer geht die Sonne“ auf. Zuvor sind aber schon beim Publikum alle Dämme gebrochen. Beim „Ich war noch niemals in New York“, das Udo Jürgens gemeinsam mit Dorothea Lorene und Kent Stetler geschickt zu einem New York-Medley verwebt, tobt die Halle. Beim Medley aus dem „Ehrenwerten Haus“, „Mit 66 Jahren“ und „Aber bitte mit Sahne“ gibt es kein Halten mehr. Und den Bademantel gab‘s natürlich auch. Nur diesmal eben nicht als allerletzte Zu-gabe. Die gab’s in Jeans und verschwitztem Hemd, mit einem am Ende beseelten Lächeln.

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