Faith No More in Höchster Jahrhunderthalle wiedervereinigt

Ü30-Party anderer Art

Es muss ein Liebeslied sein. Anders lässt sich das Wiederaufflammen einer lange zurück liegenden Liaison nicht begleiten. „Reunited“, herzerwärmende Soul-Schnulze von Peaches and Herb aus den 70er Jahren, stand am Anfang des Konzerts von Faith No More in der Höchster Jahrhunderthalle, das unter dem Tour-Motto „The Second Coming“ die Wiedervereinigung des Quartetts feierte.

Ende der 80er bis Mitte der 90er Jahre hatten die Kalifornier ihre beste Zeit, als ihr Verschnitt aus Metal und Rap, Crossover oder Nu Metal genannt, die Rockmusik prägte. Faith No More waren keine Mitläufer: Sie sorgten für Belebung des aus den USA herüber schallenden Einheitsbreis; bewegten sie sich doch wie keine zweite Band elegant zwischen schwarzem Soul, bleiernem Metal und eruptivem Hardcore. Vor populären Nummern scheuten sie nicht zurück, machten aus Lionel Richies (Commodores-Hit „Easy“ eine angeschärfte Soulnummer.

Verkörpert wurde die Gratwanderung von Sänger Mike Patton, der Mitte der 80er Kurt Cobains Ehefrau Courtney Love am Mikrofon ablöste. Erst gab der am Stock Gehende, seit der Trennung vor elf Jahren in vielen Projekten beschäftigt, den schmachtenden Soul-Schnulzler, um kurz darauf die Rampensau herauszukehren und seine voluminöse Stimme bis zur Erschöpfung auszureizen.

Pattons Dynamiksprünge sind noch so expressiv wie seine Bühnenshow und prägend für Faith No More. Weil auch seine Mitstreiter Billy Gould, geschmeidig am Bass, der entfesselte Mike Bordin (Schlagzeug) und die wie Buchhalter auftretenden, auf den Punkt arbeitenden Roddy Bottum (Keyboards) und Jon Hudson (Gitarre), sich darauf verstehen, extreme Wechsel stoisch mitzugehen. Hits wie „Evidence“ und „Epic“ grundieren sie mit lässigen Riffs und groovenden Rhythmen, legen bei „Be Aggressive“ einen Hardcore-Zwischenspurt ein und erlauben sich mit dem Intro zu „Strip search“ einen Ausflug in die Filmmusik („Chariots Of Fire“).

So wurde die Wiedervereinigung zur Herzensangelegenheit. Nicht nur für die Fünf auf der Bühne, auch für ein begeistertes Publikum. Eine Ü30-Party der etwas anderen Art. CARSTEN MÜLLER

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