Dead Can Dance in der Jahrhunderthalle

Über irdische Dinge hinaus

Frankfurt - Der Erfolg ist immens, Dead Can Dance schwimmen auf einer Welle von Zuneigung seitens ihrer Anhänger. Von Stefan Michalzik

Zwei Trennungen waren vorausgegangen, die erste 1998, die zweite im Streit nach einer Welttournee 2005; im vergangenen Jahr dann haben sie ihr achtes Studioalbum „Anastasis“ herausgebracht, das erste nach 16 Jahren. Nachdem die erste Runde der dazugehörigen Tour ruckzuck ausverkauft war, folgte ein Nachschlag, der sie nun noch einmal in die wiederum gut besuchte Jahrhunderthalle in Frankfurt-Höchst führte.

Die beiden damals miteinander liierten Australier Lisa Gerrard und Brendan Perry haben Dead Can Dance 1981 in Melbourne gegründet, im Jahr darauf ist das Duo ins London der Postpunk-Ära gezogen, eine Zeit, in der musikalisch alles möglich zu sein schien. Anfänglich bewegten sie sich im Umfeld von Gothic und Dark Wave, wovon einige der älteren Nummern im Konzertrepertoire noch zeugten.

Kerzengerade steht Lisa Gerrard da, wenn sie nicht gerade singt oder ihr Hackbrett spielt. Völlig ohne Bewegung, einer Statue gleich, in einem langen schwarzen Kleid mit Umhang, das blonde Haar zu einer Hochsteckfrisur gebunden, eine Erscheinung wie eine Diva aus der klassischen Ära Hollywoods. Unnahbar wirkt sie nicht, in ihren Blicken zum Publikum liegt Wärme, die wenigen Ansagen aber übernimmt Brendan Perry. Gerrards Auftreten ist praktisch schon die ganze Show, sieht man von der dezent stimmungsvollen Lichtinszenierung ab; ansonsten stehen einfach sechs Musiker auf der Bühne und spielen.

Eine besonders explizite Form

Popmusik, wie im übrigen die Musik überhaupt, will einen hinausheben über die Welt und ihre Dinge mitsamt aller Last, und die von Dead Can Dance tut das in einer besonders expliziten Form. Die elektrischen Gitarren haben Gerrard und Perry schon früh hinter sich gelassen, auch heute tauchen sie in ihrer Band nicht auf, es sind die ambient-haften Klänge der Synthesizer, die den Sound bestimmen, hinzu kommt Gerrards chinesisches Hackbrett Yangqin, Perry spielt von Fall zu Fall die griechische Langhalslaute Bouzouki.

Beinahe zur Gänze fanden sich wiederum die Songs von „Anastasis“ wieder. Die lichten, klaren musikalischen Texturen sind durch einen Klangexotismus gekennzeichnet, in dessen Fokus diesmal die Musik des Mittelmeerraums steht, neben den Synthesizern ist die Perkussion prägend, in der Nummer „Nierika“ begleiten afrikanische Trommeln Lisa Gerrards Stimme. Traditionell teilen sich Gerrards strahlender Alt und Perrys Bariton die Songs hälftig, in einem steten Wechsel. Die Rembetikonummer „Ime Prezakias“ aus dem Griechenland der dreißiger Jahre bleibt in ihrem Charakter das was sie ist, zugleich machen Dead Can Dance sie zu ihrem Lied; generell lässt sich das über ihre spezielle Form der Anverwandlung von Musiktraditionen mannigfach sagen. Und das ist eine Kunst für sich, die Bestand über Jahrzehnte hat.

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