Salome Kammer mit Weill im Rheingau

Überall daheim

Als „portatives Vaterland“ nahm Kurt Weill seine Musik ins Exil. Wie deutsch diese in Berlin, wie französisch in Paris und wie amerikanisch in Los Angeles klang, machten zwei Abende beim Rheingau Musik Festival erlebbar: „Heimat“ ist das Thema für die Sängerin Salome Kammer im Parkhotel Schlangenbad.

Dieser stilistischen Vielfalt wird sie jederzeit gerecht. Das Ordinäre bekommt sie prima hin, so im „Klopslied“. Sie singt viel „schöner“ als jene stimmgeschulten Schauspieler, denen Bertolt Brechts Balladen meistens anvertraut sind. Dank darstellerischer Erfahrung gestaltet sie daraus große Szenen, lässt ihr Organ in Ohrwurm-Refrains („Wie man sich bettet“ oder „Alter Bilbaomond“) voll aufblühen. Kurt Tucholskys Ironie („Mir ist so mulmig“) liegt ihr so gut wie Friedrich Holländers Lob der Untreue („Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“).

Eine Piaf meint das Publikum in drei sentimentalen Chansons zu hören. Wehmütig geraten Brechts Hollywood-Elegien auf Hanns Eislers Noten. Als Jazzerin überzeugt Kammer in George Gershwins „Slap That Bass“, als Musicalstar in Weills „I’m A Stranger Here Myself“ und seiner aberwitzigen Nummer über Namen russischer Komponisten. Dem Ort zollt sie Tribut mit dem urkomischen „Song Of The Rhineland“.

Den Pianisten Rudi Spring auf die Begleiterrolle zu reduzieren wäre ungerecht. Als liebevolles Aneinandervorbei charakterisiert er seine Kunst, die virtuose Fingerfertigkeit so einschließt wie gefühlvollen Gesang und die Uraufführung eigener Brecht-Vertonungen. Als Kammers Duettpartner ist er kongenial bis zu den Zugaben, dem „Alabama-Song“ und dem „Mond über Soho“. Ovationen für beide! MARKUS TERHARN

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