Ulrike Folkerts feiert 20 Jahre „Tatort“

+
„Wenn die Bücher gut bleiben, mache ich weiter“: Schauspielerin Ulrike Folkerts (48).

München - Ulrike Folkerts feiert ihr 20-jähriges Jubiläum als Fernsehkommissarin beim Tatort. Zu diesem Anlass stellen wir alle aktuellen Ermittler des Kultkrimis vor.

Im Jahr 1989 war sie im „Tatort“ noch „Die Neue“. So hieß ihr erster Fall als Ludwigshafener Ermittlerin Lena Odenthal. Nun feiert Ulrike Folkerts ihr 20-jähriges Jubiläum als Fernsehkommissarin.

Die 48-Jährige hält damit einen Rekord. Niemand ist so lange als Ermittlerin in der ARD-Krimireihe dabei wie sie. Am Sonntag (20.15 Uhr) zeigt der Senderverbund die Jubiläumsfolge „Vermisst“. Darin geht es um eine Unbekannte, die sich mit Lena Odenthal an einem neutralen Ort verabredet, um eine wichtige Aussage in einem Jahre zurückliegenden Mordfall zu machen. Am vereinbarten Treffpunkt angekommen, findet die Kommissarin eine Tote vor.

Tatort: Die Kommissare des Kultkrimis

Kommissare beim Kultkrimi Tatort

-Was denken Sie, wenn Sie alte „Tatort“-Folgen sehen?

Niedlich! Und unbedarft. Die Mode war eine andere. Natürlich erinnere ich mich sehr genau an mein Leben damals. Es ist wie ein Fotoalbum, bei dem man denkt, ach, damals sah ich so aus. Eine gewisse Unsicherheit kann ich da erkennen, ein gewisses Sich-behaupten-Wollen. Gedreht habe ich nur einen „Tatort“ im Jahr, damals waren es 32 Drehtage, also sieben Wochen.

-Sie haben nebenher gearbeitet?

Als Anfänger verdient man nicht so viel, also habe ich gejobbt. Ich hatte die Freiheit, dorthin zu ziehen, wohin ich wollte. Seitdem lebe ich in Berlin. Ich habe die Filmfirmen abgeklappert und mit Fotos beliefert. Aber da passierte nicht so schnell etwas. Also habe ich angefangen, in einer Bar in Charlottenburg zu arbeiten.

-Was war früher besser am „Tatort“?

Früher hatten wir mehr Drehtage und mehr Zeit zu probieren. Inzwischen muss man sich beeilen, und die Tage werden lang und anstrengend.

-Heute sind die Sehgewohnheiten anders. Viele schauen amerikanische Serien auf DVD. Da wirkt der „Tatort“ manchmal ein bisschen altmodisch. Was heißt altmodisch?

„Tatort“ ist freigegeben ab zwölf Jahren, das ist noch Familienprogramm. Ich finde „Tatorte“ nicht altmodisch, sondern eher deutsch und eben nicht amerikanisch.

-Ist das Format noch zeitgemäß?

Ja, es ist wahnsinnig beliebt. Alle haben einen Lieblingskommissar oder eine Stadt, Ermittlerpaare, die sie besonders mögen. Da ist für jeden etwas dabei. Und anscheinend ist es auch generationenübergreifend. Meine Nichte ist Ende 20, die guckt mit Freunden „Tatorte“ auf der Großleinwand. Und das nicht nur, weil sie meine Nichte ist.

-Geht Ihnen Lena Odenthal manchmal auf den Wecker?

Nein, ich mache den Job wirklich gerne. Wir haben immer wieder eine neue Geschichte zu erzählen. Ich habe oft das Glück, ganz tolle Kollegen kennenzulernen und mit echt brillanten Regisseuren zusammenzuarbeiten. Es wird mir nicht langweilig. Ich probiere mich da auch aus. Natürlich ist es spannend, wenn ich zwischendurch auch ganz andere Rollen spielen darf.

-Zwischenzeitlich waren Sie etwas frustriert, festgelegt zu sein.

Das war eine Zeitlang so. Da wollte ich aus der Nische rauskommen und habe überlegt: Muss ich dafür diesen „Tatort“ aufgeben? Das macht man natürlich nicht so einfach. In den letzten sechs Jahren ist da eine Tür aufgegangen. Ich habe eine Zeitlang auf die Branche geschimpft, dass sie nicht richtig hinguckt. Es hatte aber auch mit mir zu tun. Man muss kommunizieren, dass man Zeit hat. Dass man nicht immer die Hauptrolle haben muss, auch Theater spielen oder in einer Serie mitmachen würde, wenn die Geschichte interessant ist.

-Wünschen Sie sich manchmal, Sie hätten sich früher dazu bekannt, lesbisch zu sein, damit das vom Tisch und Sie freier gewesen wären?

Keine Ahnung, ob es damit zusammenhängt. Ich hatte einfach das Gefühl, das ist so unwichtig, das muss ich gar nicht kommunizieren. Wer redet denn über seine Sexualität in der Öffentlichkeit? Niemand. Es gibt ganz brillante Schauspieler, über die lese ich nie irgendetwas Privates, wie zum Beispiel Götz George. Mein Job ist die eine Sache, aber diese öffentliche Person zu sein ist ein anderer Job, anstrengender als der, Schauspielerin zu sein. Der rote Teppich, das Spiel gehört dazu. Aber wenn ich nach einer Veranstaltung von Fotografen verfolgt werde, die ein Bild haben wollen von mir und meiner Freundin und die uns nicht in Ruhe lassen, dann finde ich das ziemlich ekelhaft.

-Bekommen Sie Hilferufe von Mädchen, die sich nicht trauen, ihren Eltern zu sagen, dass sie lesbisch sind?

Die gibt es, die beantworte ich auch. Ich kann sie nicht an die Hand nehmen. Aber dass sie sich an mich wenden, kann das erste Mal sein, dass sie es überhaupt formulieren.

-Sind Sie auch mit 60 noch die Lena Odenthal?

Im Moment läuft es so gut, dass alle ein Interesse daran haben, das Format zu halten. Mit Andi Hoppe zusammen – wir sind ein beliebtes Krimiduo geworden. Wenn die Bücher gut bleiben, mache ich weiter. Open end.

Das Gespräch führte Caroline Bock

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare