Mit unerschöpflichem Atem

+
Lisa Batiashvili spielte Prokofjew und Saint-Saëns

Frankfurt - Äußerlich unspektakulär, technisch extrem schwierig – bei diesem Eindruck vom ersten Violinkonzert Sergej Prokojews wollte es die georgische Geigerin Lisa Batiashvili in der Alten Oper Frankfurt offenbar nicht belassen. Von Axel Zibulski

Ein etwas zuckriges Schmankerl hatte sie kurzfristig zusätzlich ins Programm genommen – das knappe Doppel von Introduktion und Rondo capriccioso des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns. Diese Bravournummer spielte sie mit dem Chamber Orchestra of Europe jedoch nicht virtuos outriert, sondern mit feinen, fast fragilen Linien, geschmackvoll dezenten Verzierungen und bei aller Brillanz mit schlankem, elegantem Ton.

Stilistisch eher bunt als stringent war das Frühjahrskonzert des 1981 gegründeten, regelmäßig in der Alten Oper gastierenden Kammerorchesters unter Leitung des finnischen Dirigenten Sakari Oramo angelegt: Das ganz folkloristisch gehaltene „Concert Romnesc“ des 2006 gestorbenen ungarischen Komponisten György Ligeti war in den Reihen der Bläser allerdings zu oberflächlich ausgearbeitet, wirkte insoweit fahrig und unscharf; das Finale immerhin klang mit der sich in irreale Höhen hochschraubenden Stimme der Konzertmeisterin effektvoll und mitreißend. Und in der nach der Pause gespielten Rheinischen Sinfonie, der Dritten von Robert Schumann, entfaltete sich Oramos auf Transparenz, Trennschärfe und Tempostraffung zielender Interpretationsansatz so erhellend wie die kompakte, nie dominante Streicherbesetzung.

Batiashvili hatte zuvor das erste Violinkonzert Prokofjews mit schier unerschöpflichem Atem in den weiten, lyrischen Kantilenen der Rahmensätze ausgespielt, dem Impressionismus näher als der Romantik, trotz aller anspruchsvollen Finessen ihres Soloparts eng und angemessen verhalten mit dem Orchester verwoben. Eine Zugabe wollte sie nicht mehr folgen lassen; anders als das Orchester, das am Ende des dramaturgisch wechselhaften Programms mit der „Szene mit Kranichen“ von Jean Sibelius für den Beifall dankte.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare