Ungarn machen mächtig Wirbel

Mit Trommelwirbel und einem zünftigen Marsch führten sich das Budapest Festival Orchestra und Chefdirigent Iván Fischer in der Alten Oper ein. Die fulminante und doch gebändigte, höchst präzise und transparente Interpretation der Ouvertüre zu Rossinis Oper „Die diebische Elster“ offenbarte auf Anhieb die hervorragenden Qualitäten des Orchesters.

Sie bereitete augenzwinkernd, aber mit aller ernsthaften Sorgfalt auf die folgenden Genüsse vor. Von Rossini zu Mozart und Dvorak reichte das reizvolle Spektrum.

In seinen Violinkonzerten knüpft Mozart an die italienische Geigenkunst an. Das 5. Konzert in A-Dur ist sein letztes und mit seinen kontrastreichen Einfällen das originellste. Nach dem Orchesterritornell darf die Geige erst in aller Ruhe im Adagio schwelgen. Hilary Hahn nahm sich Zeit und spielte das retardierende Geigensolo ganz versunken. Dann trieb sie das Tutti temperamentvoll zum konzertanten Hauptgeschehen an. Sie setzte auf Leichtigkeit und natürliche Sanglichkeit auch in den virtuosen Passagen und gab Mozart vor allem viel Süße. Nicht nur den Mittelsatz, auch ihre ausgedehnten Kadenzen spielte sie sehr expressiv. Fischer und sein Orchester verstanden sich vortrefflich mit der Solistin, voll Anmut, zärtlich, lebendig das Gespräch führend. Auch das „alla turca“ des Finales klang bei aller Spritzigkeit nicht derb.

Höhepunkt des Abends war die hinreißende Interpretation von Dvoraks Siebter Sinfonie. Die Vielfalt der Einfälle und die schroffen Kontraste verstand Fischer souverän zu verbinden. Zwischen Gesang und tragischem Gestus, zwischen Fließen, Zaudern und Abbruch, üppigem Klang und leiser Klage schuf er den großen Entwicklungsbogen und hielt Spannung. Die Klangregie war klug gewählt: Ihrer Bedeutung gemäß saßen die Holzbläser in der Mitte, noch vor den Violoncelli und den Kontrabässen. Die vom Komponisten besonders liebevoll behandelte Gruppe ließ an klanglicher Schönheit, engagiertem Spiel und Präzision keine Wünsche offen. Gleiches gilt für das übrige Orchester, das Fischers Dirigat flexibel und zuverlässig umsetzte. Mitreißend war nicht nur das teils tänzerische, teils ruppige Scherzo, sondern auch das grandiose Finale. Für den anhaltenden Beifall bedankten sich die Gäste mit dem furiosen letzten Satz aus Dohnanyis „Sinfonischen Minuten“ op.36. E. SCHUMANN

Kommentare