Untrüglicher Blick ins Innere

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Nach der trotzigen Orchestereinleitung geht die Französin auf dramatischen Kurs, der in virtuos aufgezäumter, romantisch empfundener Kadenz kulminiert.

Frankfurt - Ein Klavierkonzert von apollinischer Schönheit wie dämonischem Zuschnitt: Das brachte nur Mozart fertig. Lise de la Salle tauchte beim Museumskonzert nicht nur tief ins d-Moll-Opus KV 466 ein, sondern ließ gleichermaßen ins Innere des Salzburger Genius schauen. Von Klaus Ackermann

Eng verortet mit dem Frankfurter Museumsorchester, dessen russischer Gast Oleg Caetani sich als kompetenter Schostakowitsch-Dirigent auswies – mit der sperrigen Sinfonie Nr. 6 h-Moll, bitteres Zeitzeugnis von 1939 und zugleich Tanz auf dem Vulkan. Russisch auch der Auftakt mit Anatol Ljadows „Verzaubertem See“, vom hohlen Quintmotiv bis zum Celesta-Ausklang vollendete Impression. Das magische Dunkel hat beim feinfühlig die spärlichen dynamischen Ausbrüche verhandelnden Orchester viele Schattierungen.

22 Jahre ist Lise de la Salle jung und schon international begehrt – angesichts ihres engagierten Einsatzes für Mozart verwundert das nicht. Nach der trotzigen Orchestereinleitung geht die Französin auf dramatischen Kurs, der in virtuos aufgezäumter, romantisch empfundener Kadenz kulminiert.

Ein wundersamer Kontrast dazu ist die B-Dur-Romanze, deren sangbares Zentralthema de la Salle mit betontem Staccato abfängt, als wär‘s zu viel der melodiösen Süße. Die Moll-Obsessionen scheinen im finalen Geschwind-Rondo gebündelt: Licht am Ende des Tunnels. Technisch ohne Fehl und Tadel, erstaunt die Reife der jungen Klavierfrau, ablesbar in der Balance perlender Geläufigkeit und dramatischer Hingabe, die de la Salle noch in der Zugabe herstellt. Selbst Chopins cis-Moll-Nocturne spiegelt dabei seelische Befindlichkeiten.

So wie Schostakowitschs Sechste, die den vorgegebenen Assoziationen „Frühling, Freude und Jugend“ widerspricht. Auch bei Gaetani, der in gnadenlosen Tempi die harten, trügerisch schönen Momente aufspießt. Ein Beleg für die Geschmeidigkeit des Orchesters, das zwischen den Wechselbädern des Largo, den grotesken Dreiviertel-Tänzchen und dem finalen Höllenritt an Intensität zulegt.

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