Nicht nur Nostalgie war im Spiel beim Auftritt der New York Dolls in der Frankfurter Batschkapp

Unvergängliche Helden des Rock’n’Roll

Mit der Ballade „You Can’t Put Your Arms Around A Memory“ analysierte Johnny Thunders, der 1991 früh verstorbene Gitarrist der New York Dolls, treffend die im Rock’n’Roll allgegenwärtige Vergänglichkeit.

Mit wehmütiger Nostalgie im Blick steht auch ein nicht nur in Sachen Alter reichlich gemischtes Publikum den nach 27 Jahren reanimierten New York Dolls in der locker gefüllten Frankfurter Batschkapp gegenüber. Das durch drei Neuzugänge, Gitarrist Steve Conte, Bassist Sam Yaffa und Schlagzeuger Brian Delaney, um die verbliebenen Originalmitglieder, Sänger David Johansen und Gitarrist Sylvain Sylvain, komplettierte Quintett wurde 2004 für das alljährliche Londoner Meltdown Festival wieder vereint.

Enttäuscht verlässt keiner nach etwa 100 Minuten geballtem Garagen-Rock und Rhythm’n’Blues die Halle. Mit der rasanten Riff-Rock-Hymne „Looking For A Kiss“ aus dem Debüt von 1973 starten die nach The Velvet Underground als einflussreichstes Rollenmodell für nachwachsende Musikergenerationen geltenden Puppen mitreißend bis enthusiastisch. Gleiches gilt auch für den folgenden Titelsong des aktuellen Albums „’Cause I Sez So“. Im Reißverschlussverfahren mischen die New York Dolls nahtlos Alt und Neu – auch wenn Material aus jüngerer Zeit nicht immer die gleiche Magie besitzt.

Die glamouröse Präsenz der mit wahren Rock’n’Roll-Charakteren gesegneten Band lässt selbst schwächere Momente zum Genuss geraten. Der spindeldürre Frontmann David Johansen versprüht mit seiner verwitterten Visage tatsächlich jede Menge Authentizität. Aber es ist vor allem seine voluminöse Stimme in Klassikern wie „Lonely Planet Boy“, „Stranded In The Jungle“, „Trash“ sowie „Personality Crisis“ zur Zugabe, die noch begeistert.

Wenn Johansen dann noch wie im Bo-Diddley-Cover „Pills“ die Mundharmonika auspackt, ist klar, warum die Punk-Erfinder Sex Pistols sich die New York Dolls zum Vorbild erkoren haben. Wie sehr die Formation sich auf die Ursprünge des Blues bezieht, macht die im gestreckten Mittelteil aufgepeppte Ballade „Private World“ deutlich. Und dass sie nach all den Jahren noch zu provozieren verstehen, unterstreicht Sylvain Sylvain, wenn er Johansen das knochige Hinterteil tätschelt und ihn augenzwinkernd als „She’s the best man I have“ tituliert. FERDINAND RATHKE

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