Unverwüstliche Ikone des Rock

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Alice Cooper begeistert ohne Abnutzungserscheinungen

Alice Coopers clever inszenierte Bühnenspektakel sind legendär, die Kunstfigur in Maske und Make-up gilt als einzigartig wie unnachahmlich. Ein Interview mit Alice Cooper wenige Tage vor seinem Auftritt in Frankfurt.

Seit mehr als vier Dekaden bereichert der mittlerweile 62 Jahre alte, tiefgläubige wie golfbegeisterte Amerikaner das internationale Showgeschäft ohne jegliche Abnutzungserscheinungen. Im Gespräch mit Ferdinand Rathke gibt er Einblick in seine Welt, die gar nicht so skurril ist.

Haben Sie schon einmal ans Aufhören gedacht?

Alice Cooper: Nein, wirklich noch nie. Selbst als es mir sehr schlecht ging und ich gleich mehrmals auf Entzug war. Für mich ist mein Beruf nach wie vor schlicht heilig. Ich genieße und zelebriere das regelrecht. Schließlich mache ich das, was ich am besten kann und am liebsten tue. Ich habe quasi mein Hobby zum Beruf gemacht, das können nicht viele von sich behaupten. Zudem ist es ein großes Privileg, über einen so langen Zeitraum weltweit unterhalten zu dürfen. Eine so kontinuierliche Akzeptanz erleben wahrlich nicht viele meiner Kollegen. Ich danke Gott für mein Schicksal!

War der Erfolg absehbar?

Gehofft hatten wir es damals Mitte der 60er Jahre, als die erste Cooper-Band anfänglich unter diversen anderen Namen wie The Earwigs, The Spiders oder The Nazz im Boom der British Beat Invasion startete. Dass aus unserem Konzept mehr werden könnte als die üblichen paar Jahre, begriff ich, als wir begannen, uns Alice Cooper zu nennen, erst Frauenkleider trugen und dann allmählich das ausgefeilte Horror-Theater konzipierten. Wir waren die ersten, die das so dezidiert exerzierten.

Wieso die Hinwendung zu Schock und Horror?

Da spielten mehrere Faktoren eine Rolle. Ich mochte TV-Serien wie „The Addams Family“ und „Mit Schirm, Charme und Melone“. Liebte Horror-, Fantasy- und Sciencefiction-B-Movies. Ende der 60er Jahre rückten erstmals Serienkiller wie der Boston Strangler in Bewusstsein der Öffentlichkeit. Da dachte ich mir: Wie wäre es denn, wenn ich auf der Bühne anstatt des ewigen „Good Guy“ den fiesen „Bad Guy“ geben würde? Schwarzer Humor britischer Prägung spielte eine große Rolle. Übrigens: Puren Horror ohne komödiantischen Einschlag finde ich langweilig, ja gar gefährlich.

Wie kam es zur Alkoholsucht?

Dafür sind sicher viele parallele Entwicklungen verantwortlich: Ich war als privat eigentlich extrem schüchterner Mensch plötzlich Frontmann einer glamourösen Band, die zudem derart exaltiert auftrat, wie es noch nicht einmal die bösen Buben, The Rolling Stones, wagten. Aus Vincent Damon Furnier wurde allmählich Alice Cooper. Ich versteckte mein wahres Ich hinter der grell geschminkten Kunstfigur. Dann kam unversehens 1971 weltweiter Erfolg. Um meine Introvertiertheit zu überwinden und Stress zu kompensieren, begann ich immer mehr von meiner Lieblingsbiersorte zu schlürfen. Was als fotogenes Laster startete, endete in schwerer Sucht, die ich erst nach mehreren Anläufen überwand.

Trotz Nachahmern wie Kiss und Marilyn Manson haben Sie Trends und Konkurrenz überdauert...

Ich denke mal, das hat mit meinem Credo zu tun, das mir in jungen Jahren der von mir hochverehrte Künstler und Freund Groucho Marx mit auf den Weg gab: Sei professionell – und vor allem originell! Daran habe ich mich immer gehalten, egal was gerade in oder out war. Wir hatten das Glück, Anfang der 70er Jahre mit unserem von dem genialen kanadischen Produzenten Bob Ezrin beaufsichtigen Stil haargenau in die aufkeimende britische Glam-Rock-Szene zu passen. Als dann Punk und New Wave aufkamen, wurde ich von einer neuen Generation entdeckt und akzeptiert und nicht wie diverse Kollegen ausgemustert. In späteren Jahren war das ähnlich. Ich habe mich nie angepasst.

„Theatre Of Death“ dürfte die bislang ausgefeilteste Show sein?

Alice Coopers „Theatre Of Death“, 11. November, 20 Uhr, Jahrhunderthalle Frankfurt. Karten-Telefon: 069-1340-400

Korrekt! Allein die Vorbereitungen dauerten über zwei Jahre. In gewisser Weise ist das ein zweistündiges Horror-Pandämonium, das vom Geist literarischer Gothic-Klassiker wie „Dracula“ und „Frankenstein“ ebenso beseelt ist wie von Kino-Serienkillern wie Norman Bates, Hannibal Lecter, Michael Myers und Freddy Krueger. Aber Alice Cooper zitiert sich auch selbst – vom verblüffenden Auftakt bis zum blutigen Finale gibt es keine Langeweile. Es ist zudem eine Hommage an Schauspieler Vincent Price, mit dem ich befreundet war und der 1975 auf meinem ersten Solowerk „Welcome To My Nightmare“ mitwirkte.

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