Vampire, Hexen und Don Giovanni

Offenbach - Im  Monat des Totengedenkens und des Gruselns. Bei der Capitol Panorama Lounge bescherte die Neue Philharmonie Frankfurt ihrem Publikum eine zünftige „Geisterstunde“ voller Dämonen und Spukgestalten. Mit den düsteren Klängen der Ouvertüre wurde Mozarts „Don Giovanni“ beschworen und sogleich auf Höllenfahrt geschickt. Von Eva Schumann

Unter Leitung von Steven Gonzales ließ das Orchester das Thema aus Wojicech Kilars Filmmusik zu „Bram Stoker’s Dracula“ bedrohlich poltern. Doch die elegische Liebesmelodie, eingeführt vom Englischhorn, vermochte unmittelbar Mitleid mit dem Monster zu erwecken. Von Transsylvanien ging es nach Paris: Die Gespenster aus Louis Viernes Orgelstück „Fantômes“ kamen diesmal aus dem Orchester. Zu Geisterbeschwörern gesellten sich Affen und Bettler, ein Drehorgelspieler dudelte seinen Gassenhauer. Die Transkription war Patrik Bishay zu verdanken, der auch die Dracula-Filmmusik von der CD fürs Orchester übertragen hatte.

Nicht fehlen durfte der Totentanz in Form der „Danse macabre“ von Saint-Saëns. Konzertmeister Marius Kisauer fiedelte virtuos die Soli des Knochenmanns.

Stimmgewaltige Schauerballade

Trotz kammermusikalischer Sparbesetzung spukte der Erlkönig in der Berlioz’schen Orchesterbearbeitung farbig und deftig. Zumal Helmut Winkelmann die Schauerballade stimmgewaltig und mit gebührender Dramatik rezitierte. In seine Interpretation ging die psychoanalytische Deutung ein, die er auf der roten Couch dargelegt hatte. Winkelmann war auch der Sprecher beim Hit „Hotel California“. Das Dämonische kam bei ihm besser zur Geltung als beim Orchester.

Für die Hexen war Schauspielerin Claudia Urbschat-Mingues zuständig. Bewundernswert, wie eindringlich die bekannte Synchronsprecherin sich in eine Magierin hineinversetzte. Ihre Beschwörung „Erscheine!“ erscholl mit schauerlicher Stimme zu den Klängen von Honeggers „Sorcière d’Endor“ aus dem Oratorium „Le Roi David“.

Auszüge aus Macbeth

Bevor die verführerische Phryne aus der Walpurgisnacht von Gounods „Faust“-Oper mit ihrem Tanz die Geisterstunde beschloss, wurde den Hexen mit einer Uraufführung Ehre erwiesen. Hauskomponist Bishay hatte Dokumente der Hexenverfolgung exzerpiert und verband sie mit englischen und deutsch übersetzten Auszügen aus Shakespeares „Macbeth“.

In der dreiteiligen Komposition „Besagt: Hagazussa!“ wirkte neben dem eindrucksvoll agierenden Sprecherduo das Vokalensemble Fauna Canzone mit, einstudiert von Carsten Haubl. Erschütternd waren die Klagebriefe unschuldig Gefangener, die von unsäglicher Folter berichten, und die erzwungenen Geständnisse, umrahmt von Monologen Lady Mac beths und Dialogen mit ihrem Gemahl. Sensibel begleitete und verdeutlichte die Orchesterkomposition die grausigen Szenen. Beifallsstürme am Schluss galten besonders Bishay und seiner originellen Komposition.

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