Vermächtnis in lyrischer Entrücktheit

Georg Friedrich Händels letztes biblisches Oratorium wurde 1752 in London uraufgeführt. Das Werk des am 14. April vor 250 Jahren in London Gestorbenen gilt als sein Vermächtnis. Weniger wuchtig und pathetisch als der „Messias“, dafür sehr lyrisch, zuweilen gar romantisch.

Das wurde bei Armin Rothermels Aufführung mit dem Orfeo-Chor und dem Main-Barockorchester in Offenbachs Kirche St. Paul deutlich.

Die einleitende Ouvertüre des mit historischen Instrumenten samt Harfe, Laute und Waldhörnern angetretenen Orchesters und das anschließende Menuett deuteten beschwingt und in gelösten Tempi wenig auf drohendes Ungemach hin, auch nicht die ruhige Sinfonia zu Beginn des eigentlichen Dramas im zweiten Akt. Viele Stücke wirkten wie Suiten. Arien schwankten zwischen Dacapo und Couplet.

Wäre das Publikum durch den raumfüllenden Bassbariton Markus Matheis’ (als Hohepriester Zebul) nicht energisch auf das Alte Testament verwiesen worden, hätte es den religiösen Hintergrund zuweilen vergessen können. Dabei fehlte es nicht an ergreifenden Momenten – nicht in Zebuls Flehen „O Jephtha“ und nicht in Jephthas „I will, so please it Heaven“, von Tenor Jens Lauterbach in hellste Höhen getrieben; nicht in den von inniger Liebe erfüllten Dialogen zwischen Sopranistin Vilma Pigagaité und Altistin Céline Maya Walkley in berührend schönen Koloraturen. Mezzosopranistin Birgit Schmickler, als Jephthas Frau Storgé, deutete dagegen in expressiven „Scenes of horror“ späteres Unheil an.

Der 60-köpfige Chor, der Stehvermögen zeigte, agierte zunächst weniger bewegt als ausgewogen, um im letzten Akt Befreiung zu empfinden. Als rettender Engel erschien Sopranistin Nicole Ciroth. Und da war er wieder, der „Messias“, im Schluss chor „Halleluja, Amen“. (RG)

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