Verspielt und doch formstreng

Offenbach - Das knallt mächtig los. Und so bleibt es. Der Tante Renate überführt im Offenbacher Hafen 2 die Tradition des Alleinunterhalters in die Gegenwart. Sofern sich da noch von Gegenwart sprechen lässt. Auch das Techno-Genre ist historisiert. Von Sebastian Hansen

Es gebiert weiter Subgenres wie Chillwave und Witch House; auf der anderen Seite bewegt es sich in der Retrospirale, wofür die Musik von Fuzz Galaxy Buzz ein beredtes Beispiel abgibt. Götz Erdmann, der dahinter steht, ist ein Knöpfchendreher, der ein Laptop auf dem Pult installiert hat. Sein discogetränkter Retrotechnohouse zielt auf die Tanzfläche. Diese Wummsmusik ist in wertstabiler Weise altmodisch.

Derweil er seine Nummern mit Discochören ausstattet, schickt der als Der Tante Renate firmierende Norman Kolodziej die eigene Stimme durch den Vocoder. Die meisten Nummern sind bratzende Elektroinstrumentals. Kolodziej spielt mit analogen Synthesizern, setzt Sequencer und Gamepad ein. Er ist sehr showbewusst und wartet mit Gegenlicht-Laserbündeln auf; auch schießt er mal mit der Laserpistole. Mit seinen launigen Ansagen wirkt er wie ein Bernd Begemann der Elektronik: Schon von der Physiognomie her ähnelt er dem Hamburger Intellektuellenschlagermacher.

Es geht um verspieltes, formbewusstes Entertainment. Ob sich Kolodziej die E-Gitarre umhängt oder nicht: Seine Nummern, die er beharrlich „Lieder“ nennt, rocken. Mancher fühlt sich an das Frankfurter Duo Alter Ego um Roman Flügel und Jörn Elling Wuttke und ihren Indiehit „Rocker“ erinnert.

Kolodziej, bei dem der Spruch „Zerstöre die Autorität, stelle die Anonymität wieder her/Schütze deine Privatheit“ auf feilgebotenen T-Shirts prangt, gibt sich als Freund der Netzkultur. Sein viertes Album „H4xX02“ enthält ein Suchspiel zu kostenlosen Downloads des Gesamtwerks. Immer wieder richtet Koledziej die Frage ans Publikum, ob er was Ruhiges spielen solle. Das hätte man gern gehört – doch derlei dürfte sich in diesem musikalischen Kosmos nicht finden.

Rubriklistenbild: © pixelio.de/Christian Seidel

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