Konstantin Lifschitz

Versunken im eigenen Bach-Kosmos

Konstantin Lifschitz wirkt wie in einer eigenen Welt lebend, so scheu und kurz grüßt er ins Publikum, wenn er das Podium auf Schloss Johannisberg betritt. Sobald der 33 Jahre alte Russe am Steinway-Flügel Platz genommen hat, taucht er in seinen ganz eigenen Kosmos in Sachen Johann Sebastian Bach ein.

Bereits zum sechsten Mal war Lifschitz beim Rheingau Musik Festival zu Gast und setzte seinen Bach-Zyklus mit den ersten drei Klavier-Partiten (BWV 825-827) fort.

Wenn Lifschitz Bach spielt, mögen barocke Klang-Puristen damit ihre Probleme haben. Er versprüht reichlich romantisierenden Pedal-Nebel, setzt Verzierungen eher nach Belieben als nach musikalischer Sinnhaftigkeit und deutet manches in seinem Sinne um: Den typischen, betonungsverschobenen Rhythmus der drei langsamen „Sarabande“-Sätze gibt er ebenso zu Gunsten eines weichen Fließens auf wie den sprunghaften Charakter der Gigue in der hier an letzter Stelle gespielten a-Moll-Partita BWV 827. Provozierend langsam stellt er diesen Tanz-Satz in den Raum.

Vielleicht wegen dieser uneingeschränkten Subjektivität hat sein Spiel etwas Soghaftes – schon weil man keinen Augenblick vor musikalischen Erwartungsbrüchen und Extravaganzen gefeit ist. Die russische Prägung leistet ihr Übriges: Abgerollte Akkorde können den Nachdruck eines Donnergrollens gewinnen, schnelle Läufe erinnern weit weniger an filigrane Cembalo-Gänge als an machtvolle Etüden, und die „Sinfonia“ zu Beginn der zweiten Partita c-Moll BWV 826 spielt er dicht und farbig, als ob es ein verkappter Orchestersatz wäre. Die technische und klangliche Kontrolle verliert Lifschitz dabei freilich keinen Augenblick aus den Augen, und vielleicht kann nur so bei der dreifachen Partiten-Interpretation die Tendenz zu einer gewissen Monokultur überwunden werden. Starker Beifall bereits nach der erste Partita; die Zugaben am Ende stammten von Chopin und wiederum von Bach. Kommenden Sommer dann legt Lifschitz die vierte bis sechste Partita nach. AXEL ZIBULSKI

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