Vertrautes in neuen Versionen

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Nena ewig jung in Alter Oper Frankfurt

Frankfurt - Was den Fans als unverzichtbares Muss gilt, lässt die meisten Langzeitkünstler erschaudern: Prinzipiell gibt es nichts Grauenhafteres, als wenn ein Interpret die immer gleichen Hits wie im Original wiederaufbereiten soll. Von Ferdinand Rathke

Aber Deutschlands unverwüstliche Pop-Ikone Nena denkt nicht im Traum daran, ihrem zum „Pass Late Year Benefiz 2010“ in der Frankfurter Alten Oper zahlreich erschienenen Publikum den Gefallen zu tun. Schließlich hat die künstlerische Langzeitüberlebende, die 1982 ihren Durchbruch im roten Ledermini mit „Nur geträumt“ im ARD-„Musikladen“ hatte, in diesem Jahr den 50. Geburtstag begangen – und die Jubilarin darf bestimmen, wie gefeiert wird.

Wie ein routinierter Barmann mischt Nena ihr Repertoire aus altem und neuem Material mit überraschenden Zutaten. Gleichwertig zu den Gassenhauern von einst stehen erstaunlich patente Songs des aktuellen Werks „Made in Germany“ im Mittelpunkt. „Unplugged & mehr“ lautet das Motto des Abends, der akustisch mit „SchönSchönSchön“ startet, aber im weiteren Verlauf ebenso intensiv hart die Rock’n’Roll-Wurzeln sowie ungewohntes Club-Terrain beschwört.

Vierteljahrhundert chichte in 90 Minuten

In ihrem Rücken weiß die ehemalige Goldschmiedin, die vor einigen Jahren in ihrer Wahlheimatstadt Hamburg eine Privatschule eröffnet hat, ein überaus kompetentes neunköpfiges Team, das als Vokalisten Sohn Sakias einschließt. Schwester Larissa glänzt, zum Bedauern von Mama, wegen Krankheit durch Abwesenheit.

Ein Vierteljahrhundert Popgeschichte serviert Nena in 90 Minuten. Längst zu Klassikern avancierte Renner wie „Fragezeichen“, „Vollmond“, „Lass mich dein Pirat sein“ und jene „99 Luftballons“, die den Markenartikel aus Hagen zum international gefragten Star in Amerika, Japan, Australien und England gemacht haben, präsentiert die in hautenge Röhrenjeans, hohe Pumps und Glitzertop gekleidete ehemalige Teen-Ikone in ungewohnt neuen Versionen. Mit erstaunlicher Kraft saust das jugendliche Energiebündel über die kitschig dekorierte Bühne und lässt nicht locker, bis auch der letzte Fan sich vom Sitzplatz erhebt. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass die als abgehalfterter Ex-Star geltende Nena eine so grandiose Rückkehr ins Rampenlicht erlebt?

„Es wird schon weitergehen“

Zum Finale jagt ein Evergreen den anderen: Nach dem majestätisch inszenierten „Leuchtturm“ lässt die Sängerin „Wunder geschehen“ und behauptet mit Nachdruck, „Nur geträumt“ zu haben. Komplett verrückt spielen die Fans – und sehen ihrem Star großzügig nach, dass dieser sich weder Lied reihenfolge noch manchen Text merken kann, den jeder im Saal auswendig mitzuträllern weiß.

„Es wird schon weitergehen“, sinniert Nena zur Zugabe, nachdem sie dem 2002 verstorbenen Gitarristen Carlo Karges, der zahllose Hits für sie komponierte, mit „Mein Freund“ einen Song gewidmet hat. Gerührt vom Jubel verabschiedet sich Nena mit einem Versprechen: „Solange ihr mich ruft, komme ich wieder!

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