Vicky Leandros in Frankfurt

Viele Facetten einer Sängerin

Frankfurt - Das Tanzorchester spielt ein Ouvertüren-Medley aus einigen der größten Erfolge. Auftritt Vicky Leandros, im langen schwarzen Glitzerkleid. Ihre Erscheinung vermittelt eine Behauptung ewiger Jugendlichkeit. Mit sechzig Jahren wirkt sie wie eine Vierzigjährige. Von Stefan Michalzik

Gleich ob nun die Chirurgie mit im Spiel gewesen ist: Es gehört zur allumfassenden professionellen Leichthändigkeit der deutsch-griechischen Schlagersängerin, die mit dem 13-köpfigen Capitol Dance Orchestra in der Frankfurter Alten Oper gastierte, dass sie selbst dieses Spiel mit einer Illusion der Alterslosigkeit ohne peinlichen Beigeschmack zu betreiben vermag. Wie diese Frau sich auf der Bühne bewegt – jede Geste stimmt, jeder tänzerische Schwung der Hüfte – das zeugt von Souveränität. So diszipliniert sie auch wirken mag, so geschliffen ihre Conferencen sind: Jegliches Showgehabe ist ihr fremd.

Wie manch andere in der Ära des Schlagers der 1960er und 1970er Jahre hat sich Vicky Leandros in einem Grenzbereich zwischen Schlager, Chanson und Folklore bewegt. Das unter dem Erfolgstitel „Ich liebe das Leben“ firmierende Programm spiegelt dieses Phänomen repräsentativ. Die sagenhafte Zahl von rund fünfhundert Alben, die Leandros seit ihrem auf das Jahr 1965 zurückgehenden Debüt als 13-Jährige veröffentlicht hat, geht zu einem Gutteil auf die Internationalität der Karriere zurück.

Chansons finden sich im Repertoire des zweieinhalbstündigen Konzerts, griechische Volkslieder, und natürlich viele der alten deutschen Hits. Auch Ausflüge in den Pop, etwa mit James Taylors Singer/Songwriter-Standard „Fire And Rain“, Paul McCartneys „Those Were The Days“, gar der auf die Boxtops zurückgehende, später von Joe Cocker übernommene Titel „The Letter“ gelingen in einer respektablen Weise.

Die neueren Titel, aus der Zusammenarbeit mit Xavier Naidoo und den Söhnen Mannheims für das 2009 herausgebrachte Album „Möge der Himmel“ künden von der Neudefinition, die Vicky Leandros Ende der 1990er Jahre nach zehnjähriger Pause betrieben hat. Sie schreibt ihre Texte teilweise selber, mitunter komponiert sie auch. Es geht oft um Aufbrüche, ein mehr oder weniger autobiografisches Motiv nach der eigenen Scheidung liegt nahe. Formal handelt es sich um eine Anknüpfung an den bekenntnishaften Beziehungsschlager, der seit den 1980er Jahren das Genre prägt.

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Die Konzertfassungen der alten Hits sind oft Easy-Listening-artig arrangiert. Das ist reizvoll, eine kluge Entscheidung. Wie es schlechter geht, zeigen viele der billig klingenden, weit hinter den Originalen zurückbleibenden und daher völlig überflüssigen Neuaufnahmen, die im vergangenen Jahrzehnt entstanden sind. Dankenswerterweise bleibt die Keyboardsülze außen vor, die Besetzung ist eine rein akustische.

Am Ende verlangt das Publikum nach „Theo“ – und bekommt ihn. Schließlich, das Orchester ist schon abgegangen, stimmt Vicky Leandros noch das von Mikis Theodorakis geschriebene Lied „Ich hab’ die Liebe geseh’n“ und zuletzt „Auf Wiederseh’n, ihr Freunde mein“ („Amazing Grace“) gemeinsam mit dem Publikum an. In einem solchen Moment nicht vollends im Kitsch zu versinken, auch das will gekonnt sein.

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