Viel Glanz, wenig Drama

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Sportiv: Dirigent Lorin Maazel

Weit mehr als ein Einspielstück ist Beethovens „Egmont“-Ouvertüre, wenn Lorin Maazel sie dirigiert. Von Axel Zibulski

Da grundieren die dunklen Streicher des Londoner Philharmonia Orchestra das dämonische f-Moll besonders betont, vor jeder Steigerung scheint die Musik zum Stehen zu kommen, auf dass sie sich danach umso emphatischer entfaltet. In den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts war Maazel einmal Chef der Deutschen Oper Berlin und als solcher Nachbar von Karajans Philharmonikern – an dessen opulent breiten Beethoven-Sound darf man sich durchaus erinnert fühlen.

Sportiv aufs Podium

In der Alten Oper schloss Maazel an die „Egmont“-Ouvertüre Beethovens dritte Sinfonie Es-Dur 84 an, und auch deren Interpretation mag mancher als unzeitgemäß romantisiert empfunden haben. Aber eine stellenweise betörende Klangsinnlichkeit war damit gleichfalls verbunden – das volle und warme Schmachten der Violoncello-Gruppe im langsamen Satz, die eher nobel als natürlich klingenden Hörner im Trio-Teil des Scherzos etwa. Und sportiv gab sich Maazel, der im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, nicht nur bei seinen eiligen Auftritten aufs Podium, sondern auch bei seiner Tempo-Wahl: Diese Deutung der „Eroica“ klang erstaunlich kompakt, straff und geschlossen.

Eroica eher blass

Beethoven im ersten, Brahms im zweiten Programmteil: Maazel und das Philharmonia Orchestra setzten bei diesem Konzert auf Standardwerke des klassisch-romantischen Repertoires. Maazels Deutung der ersten Sinfonie c-Moll op. 68 von Johannes Brahms allerdings wirkte, insoweit anders als seine Interpretation von Beethovens „Eroica“, eher blass in der dramatischen Ausprägung: Breit und gediegen statt packend und nervös blieb bereits der paukengrundierte Einstieg, und die Melancholie der Mittelsätze wollte sich im ganz auf Schönklang ausgerichteten, technisch gewiss tadellosen Spiel des Philharmonia Orchestra kaum vermitteln.

Das war bedauerlich, denn eigentlich kann sich erst in der Kontrastwirkung zu den düsteren Momenten der vorherigen Sätze der befreiende Charakter des finalen C-Dur-Jubels schlüssig entfalten. Maazel bot insgesamt also viel Glanz, aber wenig dramatische Glaubhaftigkeit – starker Beifall, keine Zugabe.

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