Das Freiluft-Festival des Offenbacher Klubs Hafen 2 brachte spannende Entdeckungen auf kleine Bühnen

Viel Potenzial in umtriebiger Indie-Szene

13 Bands standen beim Openair-Festival des Offenbacher Hafen-Klubs auf der Bühne.

Ein langer Tag. Am Ende, gegen Mitternacht, singt die aus der New Yorker Antifolkszene kommende, sich selbst auf der Gitarre begleitende Diane Cluck ihre anrührend traurigen Lieder in wunderbarer Wärme und Schönheit. Vor der Bühne stehend, im Kreis eines eher kleinen verbliebenen Publikums. Nachtlieder in einem beinahe hausmusikalisch intimen Rahmen.

Und das ist immer noch nicht das tatsächliche Ende. Zum ersten Mal hat der Offenbacher Klub Hafen 2 zu einem Freiluft-Festival auf seiner zum Yachthafen hin gelegenen Wiese eingeladen. Von 15 Uhr nachmittags an spielten 13 Bands zum läppischen Eintrittsgeld von gerade mal 17 Euro. Nach Mitternacht ging’s im Haus weiter bis 5 Uhr morgens, neun DJs und DJ-Teams legten auf.

Obschon das Festival gut besucht gewesen ist, bot die Wiese genügend Platz zum Ausbreiten der grüppchenweise bevölkerten Acryldecken, bei stabilem Wetter. Ein Lagerfeuer lieferte Wärme für die kühlen Abendstunden; drei Zelte waren auf einer dafür bestimmten Rasenfläche zu zählen.

Auf einen oder mehrere „Headliner“ wurde bewusst verzichtet. Der gute alte Indie-Gedanke verbietet eine derartige Hierarchisierung. Auf der kleineren der beiden kleinen Bühnen, einer Lkw-Ladefläche, sang am Abend die Frankfurterin Preslisa zur Ukulele schöne Lieder aus den überwiegend schaurigen Filmen mit Elvis Presley. Das ist keine revolutionäre Tat, hat aber Charme. Zuvor haben auf der großen Bühne die Schweden EF Rock und Folk in improvisatorischem Geist zusammengebracht. Misses Next Match aus Hamburg mischen in ihren furiosen Instrumentalnummern Gitarrenpop mit Discofunk und gelegentlich einem Housebeat.

Eine Anwartschaft auf die neue Rekordmarke für Langsamkeit in der Popmusik kann das aus Baltimore stammende Quartett Jackie-O Motherfucker für sich beanspruchen. Die Karohemdenträger mäandern fruchtbringend zwischen Postrock, Psychedelik und Neil-Youngschem Gitarrengewitter. Munter nach vorn gehen The Arrrghos aus Frankfurt. Das Duo um Tina Schröder (Gesang, Gitarre und Schlagzeug) und Christina Drees (Keyboard, Gesang und Bass), beide zuvor bei Good Heart Boutique, musiziert im Geist des Garagenpunks mit Anleihen beim Girlpop der 60er Jahre. Sehr erfrischend.

Und viele andere mehr. Ein voller Erfolg. Wiederholung bitte! Nicht zuletzt der Umstand, dass ständig Musiker eigenhändig Instrumente und Verstärkerboxen umherschleppten, belegte: Das ist nicht Rock am Ring. Es ist viel besser. Denn in der umtriebigen Szene steckt nach wie vor weidlich viel musikalisches Potenzial. Und die Auswahl erwies sich als geschmackssicher. STEFAN MICHALZIK

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