Die vielen Facetten des Clueso

Nicht zu träumen gewagt, hätte sich Clueso seinen gegenwärtigen Erfolg, als er 1995 seine Karriere startete: Vor allem weibliche Fans säumen dicht an dicht die Bühne der seit Wochen ausverkauften Frankfurter Jahrhunderthalle. Von Ferdinand Rathke

Mit hysterischem Johlen und vorlauten Zwischenrufen zollen sie ihrem Idol Tribut. Ein Musiker, der für seinen Aufstieg eine halbe Ewigkeit benötigte und sich dabei vom eingefleischten Rapper zum facettenreichen Künstler wandelte, der bewusst sein Konzept mit jedem Album erweiterte.

Unverändert geblieben ist seine bescheidene wie unaufdringliche Art, sich zu präsentieren. Zumeist in diffuses Halbdunkel sind der 31-jährige Thomas Hübner alias Clueso samt Ensemble getaucht. Im Rampenlicht steht, so will es der schmale Sänger und Komponist partout, allein sein Publikum.

Um diverse Neuerungen erweitert hat sich das kaum von Ansagen unterbrochene Programm. Pfiffige Rückprojektionen und ausgeklügelte Lichtspielereien untermalen das zweistündige Repertoire, das mal eben Rock, Pop, Reggae, Folk und Jazz in schlicht fantastischen Einzelleistungen der Bandmitglieder unter einen Hut zaubert. Doch erlaubt sich die Formation eine Art Zäsur, als für die Titel „Straßen sind leer“, „Herz“ und „Bescheid“ ein Vorhang heruntergelassen wird, um darauf künstlerische Clips zu projizieren.

Nicht zu kurz kommt der Singer/Songwriter mit Akustikgitarre, den sich der Gewinner des Bundes Song Contest 2005 rechtzeitig als neue Identität auserkoren hat: „Zu schnell vorbei“, „Müsste gehen“ und „Regen“ profitieren vom Introspektiven, das Clueso stets für sich beanspruchte. Als Mahner tritt er auch auf. Dann wirkt er fast wie eine zeitgemäße, legitime Version Rio Reisers.

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