In vielen Sparten beheimatet

Diese Frau ist eine Wucht, sängerisch wie darstellerisch: Laurie Reviol, aus Kanada stammende Gesangsdozentin der HfMDK Frankfurt.

Zum Konzert ihrer Gruppe „Chamber X“ in der Lauterborngemeinde kehrte die ehemalige Offenbacherin an den Ort zurück, an dem ihre Karriere begann, im Gepäck gefühlvolle italienische Madrigale des 15. Jahrhunderts, ein barockes Liebeslied von Giulio Caccini, sehnsuchtsvoll-lyrische Folksongs aus England und Kanada, sephardische Volkslieder, verjazzte Klassik und astreiner Blues. Die auch zu Kalimba-Daumenklavier oder Handtrommel greifende Reviol war in allen Sparten zu Hause, fand dabei in Martin Hublow (E-Bass, Gitarren, Flöten) und Andreas Nowak (Marimbaphon, Gitarren, Trommel) kongeniale Partner.

Allein deren Arrangements waren eine Schau. Juan Aranes’ barockes Tanzlied „Un Sarao de la Chiacona“ des 17. Jahrhunderts swingte mit E-Bass-Continuo und Marimba-Akkorden wie ein Karibik-Song, Giovanni Sances’ Klagelied „Accenti Queruli“ von 1650 geriet unter Reviols Erzähl- und Sangeskunst zur ironisch gebrochenen Performance. Caccinis Naturbilder, von Gitarren lyrisch untermalt, gerieten feenhaft.

Für rhythmisches Feuer sorgte dazu vor allem Andreas Nowak. Sein Marimba-Solo zu Evelyn Glennies „A Little Prayer“ sorgte für große Andacht. Nicht immer überzeugend die Crossover-Ausflüge des Flötendozenten Martin Hublow zur Akustikgitarre, seine E-Bass-Linien dagegen eine sichere Bank.

Jazzgesang der Spitzenklasse bot Reviols zweideutige Version zu Alberta Hunters „Handyman“, ihre Session zum Ur-Gospel „O Lord“ und ihre Charlie-Parker-Zugabe. Wenn sie sich dafür entscheiden würde, könnte sie mit solch fantastischer Blues-Röhre Konzertsäle ebenso zum Brodeln bringen wie als Händel-Sängerin bei Festspielen.

REINHOLD GRIES

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