Vielfältig, aber nicht beliebig

Offenbach - Zwei starke Pop-Entwürfe. Davon abgesehen haben die beiden Musikerinnen wenig gemeinsam. Von Stefan Michalzik

Kitty Solaris, die das Konzert im Offenbacher Hafen 2 eröffnete, ist eine klassische Singer/Songwriterin, wenngleich sie die Grenzen des Genres hinter sich lässt und andere Mittel der musikalischen Inszenierung wählt. Die Berlinerin Kirsten Hahn, die unter diesem Signum firmiert und unter dem Labelnamen Solaris Empire ein gut sortiertes Plattenlabel betreibt, singt – grob zusammengefasst – vom Drang nach einem erfüllten Leben.

Ihre mit bisweilen verhangen klingender Stimme zur E-Gitarre vorgetragenen Songs sind melodisch im Folk verankert. Der mit dem recht gitarristische Klänge hervorbringenden Keyboarder erzeugte Klang ist karger als auf dem teilweise milde elektronisch unterfütterten jüngsten Album „Golden Future Paris“, auf dem die unprätentiös agierende Musikerin unter anderem mit Balkan Brass und Chansonhaftigkeit aufwartet, aber nicht in Beliebigkeit verfällt.

Derweil die Musik von Kitty Solaris in Amerika verwurzelt ist, lässt sich der Ansatz des Münchner Duos Pollyester im Großbritannien der späten siebziger Jahre verorten. Siouxsie and the Banshees: Das ist die erste Assoziation angesichts der vollmundigen Altstimme von Polina Lapkovskaja. Man mag auch an Nico oder an die Riot Grrrls von The Slits denken, epigonal ist hier aber wie schon bei Kitty Solaris nichts. Das auch als Produzentenduo aktive Gespann um Polly und den hier als Yossarin in Erscheinung tretenden, unter anderem auch zu La Brass Banda gehörigen Schlagzeuger Manuel da Coll behauptet eine eigenständige Position.

Unter anderem wenden Pollyester gleichsam den Dark Wave ins Helle. Das experimentierfreudige musikalische Konzept ist mehrdimensional. In erster Linie handelt es sich um beschwingte Popsongs, die in einer bezwingenden Weise zum Tanzen anregen. Die keyboardbasierte Elektronik ist mal integraler Teil des Bandgefüges der vierköpfigen Besetzung, dann wieder schiebt sie sich stärker nach vorn. Easy Listening und Dub-Reggae klingen an, doch in einem Stilmischmasch unterzugehen droht die großartige, so erfrischend herzhafte wie entspannte Musik des Duos nicht einen Moment.

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