Vielhändiger Tastendonner

Das Neujahrskonzert im Büsingpalais ist zum Markenzeichen geworden. Auch dieses Mal brannten acht Offenbacher Pianisten auf zwei Steinway-Flügeln ein Tastenfeuerwerk ab. Im Vordergrund der Klangreise vom Barock über Klassik und Romantik bis zu Jazz und Boogie standen neben Originalen vor allem Bearbeitungen zu zwei und vier Händen. Von Reinhold Gries

Die Ouvertüre bot gleich eine Uraufführung. Hans-Wolfram Hooge hatte das „Allegro vivo“ von Georges Bizets Sinfonie C-Dur für zwei Klaviere bearbeitet und bannte mit Peter Josef Kunz-von Gymnich pointierte Rhythmik und bewegte Themen prägnant und lebendig in die Tasten.

Ein gut aufgelegtes Duo bildeten auch Werner Fürst und Jürgen Blume bei Johannes Brahms’ 4. Symphonie in e-Moll. Wie sie die ersten beiden Sätze bewältigten, mal in klassischem Ebenmaß, mal in expressiver Dynamik, war aller Ehren wert. Dabei ging, wie im verträumt beginnenden Andante moderato, Brahms’ strenge Gedankenführung nicht verloren, selbst als sich ein vertracktes Fugato einschob.

Dann der grandiose Auftritt von Elena Kotschergina und Olaf Joksch in Ralph Berkowitz’ für zwei Klaviere arrangierter Version zu Camille Saint-Saëns „Karneval der Tiere“. In perlender Anschlagskultur und perfekter Abstimmung wechselten die Läufe. Das Finale geriet so virtuos, dass der Beifall zum Aufschrei geriet. Doch die beiden legten mit den „Goldberg-Variationen“ Johann Sebastian Bachs nach, von Josef Rheinberger für zwei Klaviere bearbeitet. Kotscherginas warmer, blühender Ton zog ebenso in den Bann wie Jokschs Hexenkunststücke.

Jazzer Frank Spannaus spannte verblüffende Bögen von Jacques Loussiers Play-Bach-Version des berühmten G-Dur-Menuetts zu Eugen Ciceros einfallsreicher Bearbeitung des „Türkischen Marschs“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Danach überraschte Spannaus mit gekonnt orchestraler Carl-Czerny-Bearbeitung der „Egmont“-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven. Eine überragende Vorstellung bot auch Ronald Fries in Franz Liszts „Transkriptionen“ über Lieder von Franz Schubert und Robert Schumann. Für den Bieberer Virtuosen scheint nichts unspielbar. Aber mehr noch gelang es ihm mit viel Ausdrucks- und Einfühlungsvermögen, Liszts artifizielle Übertreibungen in überzeugende Form zu gießen.

Passend zum Chopin-Jahr beendete das Duo Hooge/Kunz-von Gymnich den Klaviertraum im Büsingpalais mit einer von-Gymnich-Bearbeitung zur berühmten Polonaise As-Dur op. 53. Da gefielen nicht nur die federnd schreitenden Akkorde, die kraftvollen Oktavenfiguren und schmetternden Fanfarenmotive. REINHOLD GRIES

Rubriklistenbild: © dpa

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